Offshore-Konstrukte
So drücken sich Firmen legal vor den Steuern

Die Steuerspargesellschaft von Johann Schneider-Ammann stand auf wackligen Füssen. Steuerexperten erklären, wie Offshore-Gesellschaft funktionieren, weshalb es sie gibt und wann sie illegal sind. Ein Briefkasten alleine genügt nicht.

Matthias Niklowitz
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Bundesrat Johann Schneider-Ammann. (Archiv)

Bundesrat Johann Schneider-Ammann. (Archiv)

Keystone

Offshore-Gesellschaften sind lediglich ein Weg für Firmen und Superreiche, Gewinnsteuern zu sparen. Solche Gesellschaften zahlen in der Schweiz keine Steuern. «Bei der schweizerischen Muttergesellschaft bleiben nur der allfällig bilanzierte Wert der ausländischen Tochtergesellschaft und allfällig ausgeschüttete Erträge zur Besteuerung», erklärt Yvonne von Kauffungen. Sie ist Pressesprecherin bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern, die die Steueroptimierungsvehikel der Ammann Gruppe untersucht.

Ähnliche Gesellschaften werden für die Aufnahme von Fremdkapital über den Kapitalmarkt gegründet. Solche Transaktionen werden beispielsweise via Luxemburg vorgenommen. So vermeiden sich Stempelabgaben oder Verrechnungssteuer.

Wenn es um die Frage geht, wo diese Offshore-Firmen zu besteuern sind, entscheidet jeweils die Steuerverwaltung des Kantons, in dem der Steuerpflichtige angemeldet ist. Angewendet wird indes schweizerisches Recht, unabhängig davon ob diese Gesellschaft in Luxemburg oder in einem der weiteren Steuerparadiese wie Andorra, Bahamas, Bermuda, den britischen Jungferninseln, den britischen Kanalinseln, Malta, Monaco oder den Niederländischen Antillen ihren Sitz hat.

Kriterium Infrastruktur

Eine Offshore-Gesellschaft wird laut von Kauffungen dann anerkannt, wenn dort tatsächlich gearbeitet werde, die Infrastruktur also für die angebliche Tätigkeit ausreiche. Zur Infrastruktur zählten etwa geeignete Büroräume und das erforderliche Personal.

Unternehmen ist es grundsätzlich freigestellt, wo sie ihre Unternehmensfunktionen ausführen, und sie können das an Orten tun, wo es für sie am effizientesten ist, sagt Armin Marti, Steuerexperte beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC. Viele schweizerische Firmen haben ihre Produktion nach Osteuropa oder nach Asien verlegt. Firmen ist es ebenso freigestellt, unterstützende Funktionen wie die Finanzierung an einen für sie geeigneten Standort zu verlagern. «Wenn eine solche Tätigkeit ausgelagert wird, muss aus operativer Sicht sichergestellt werden, dass dazu notwendige personelle und infrastrukturelle Ressourcen am Ort der Auslagerung zur Verfügung stehen», sagt Marti.

Die minimalen Ressourcen müssen in direktem Zusammenhang mit den ausgelagerten Funktionen stehen. Dabei gibt es Spielraum: «Denn für das Ausüben einer konzerninternen Finanzierungsfunktion benötigt man wesentlich kleinere Ressourcen vor Ort als beispielsweise für die Auslagerung einer ganzen Produktion», sagt Marti.

Prüfung der Tätigkeit

Schweizerische Unternehmen, die Offshore-Gesellschaften benutzen, machen das laut Marti legal und transparent. Wenn die für die angegebenen Funktionen notwendigen Ressourcen tatsächlich am Ort der Offshore-Gesellschaften vorhanden sind, stehe der steuerlichen Akzeptanz nichts im Weg, so Marti. Auch aus moralischer Sicht sei nichts dagegen einzuwenden. «Wird die notwendige Substanz aber nur vorgetäuscht und ist sie nicht am Ort der Offshore-Gesellschaft vorhanden, werden solche künstlichen Konstrukte auch von den schweizerischen Steuerbehörden nicht akzeptiert, sondern verfolgt und geahndet.»

Laut von Kauffungen prüfen die Steuerverwaltungen, ob im Ausland tatsächlich eine Geschäftstätigkeit erfolgt – oder ob das nur auf dem Papier geschieht. «Die Situation ist ähnlich wie im Inland, wenn am Sitz einer Gesellschaft gar nichts gemacht wird», so von Kauffungen weiter. «Bei solchen fiktiven Sitzen wird dann auf den Ort der tatsächlichen Tätigkeit abgestellt.»