Immer wieder erreichen diese Redaktion die Fragen verzweifelter Mitmenschen, die in der Adventszeit weder ein noch aus wissen. Wir haben die zehn häufigsten hier zu einem Ratgeber zusammengestellt. Spätestens nach dessen Lektüre sollten zum Advent wirklich keine Fragen mehr offen bleiben ...

Mich freut es, wenn in den Kaufhäusern bereits anfangs November die Weihnachtsdeko aufgebaut wird. Von mir aus könnte dies bereits im Oktober passieren. Ist das normal?
Für Sie schon, schliesslich sind Sie nicht umsonst Kaufhausdirektor geworden. Zudem können Sie sicher sein, dass alle Kunden Ihren Enthusiasmus bestimmt teilen. Sie verschieben ja aus reiner Nächstenliebe diesen Termin jedes Jahr immer weiter nach vorne, oder?

Ich habe die Weihnachtsguetzli der Migros viel lieber als die handgefertigten meiner Mutter. Darf ich ihr das offen sagen?
Aber ja doch. Sie wird Sie bestimmt verstehen. Liebe kann niemals den industriell gleichgeschalteten Geschmack der Konfektions-Brunsli, -Mailänderli usw. aufwiegen. Das muss selbst Ihre Mutter einsehen. Übrigens gilt das auch für jene Teigkreationen von Coop, Manor, Hug usw. Millionen Käufer können nicht irren. Millionen Mütter schon.

Ich finde es schön, dass inzwischen jede Gemeinde ihren eigenen Weihnachtsmarkt hat. Stimmt es, dass die Angebote von Ort zu Ort ganz verschieden sind und jeder Markt seinen eigenen Charme hat?
Na klar, das ist die reine Wahrheit, und übrigens ist die Welt eine Scheibe.

Ich lege wert darauf, möglichst lange haltbare Weihnachtsbäume zu haben. Worauf muss ich achten?
Am sichersten ist, Sie nehmen das Ganze selber in die Hand. Gehen Sie morgen in den nächsten Wald, vorzugsweise in ein Naturschutzgebiet, fällen Sie dort möglichst viele Tannen, stellen diese anschliessend bei sich in der Garage auf und wählen dann diejenige aus, die am 24. Dezember noch die meisten Nadeln hat.

Wir haben beschlossen, dieser Jahr Weihnachten ganz ohne Geschenke zu feiern. Schaffen wir das?
Hahahahaha ... (15 Minuten später) ... hahahaha: Beschaffen Sie sich dieses Jahr einen besonders grossen Gabentisch für die paar «ganz kleinen Aufmerksamkeiten», ohne die es «trotzdem nicht geht».

Wir möchten wieder zum wahren Geist der Weihnachtsfeier zurückkehren. Wie machen wir das?
Gehen Sie in die Stadt und kaufen dort die doppelte Anzahl Geschenke. Gewisse Geschäfte machen die Hälfte ihres Jahresumsatzes in der Weihnachtszeit. Einen noch tieferen Sinn am Fest der Liebe als die Liebe zum Konsum können Sie gar nicht finden.

Ich kaufe die Weihnachtsgeschenke für meine Lieben immer schon zwei Monate vor Heilig' Abend ein, so gerate ich am 24. Dezember nie in den Weihnachtsstress. Darf ich das meiner Verwandtschaft unter die Nase reiben?
Nein, weil Sie lügen. Das schafft niemand. Sollten sie nicht lügen, sind Sie vermutlich ein Alien, das sich als Mensch tarnt - oder Sie sind der Weihnachtsmann.

Bei der Bescherung freut mich der im Kindergarten selbst gebastelte Weihnachtsstern meiner Tochter mehr als der teuerste Schmuck oder der beste Whiskey der Welt. Wissen das auch meine Kinder?
Sie lügen schon wieder. Seien Sie wenigstens ehrlich zu Ihren Goofen. Sagen Sie Ihnen offen, dass Sie den Weihnachtsstern diesmal noch durchgehen lassen, aber nächstes Jahr was Richtiges zu Weihnachten kriegen wollen. Sollte es auch dann wieder nur was Selbstgebasteltes geben, dürfen Sie ruhig das Sparkonto Ihrer Kinder leer räumen und sich was richtig schön Teures gönnen.

Ich habe dieses Jahr einen Flug in die Karibik gebucht, statt mit meinen Angehörigen Weihnachten zu feiern. Muss ich deswegen ein schlechtes Gewissen haben?
Wo denken Sie hin, ein schöneres Geschenk können Sie Ihrer Schwiegermutter doch gar nicht machen.

Ich habe den ganzen Weihnachtsrummel satt. Ich will in ein Land auswandern, in dem ich nie wieder an Weihnachten Denken muss. Wohin soll ich am besten gehen?
Wir schlagen Ihnen vorzugsweise die USA vor. Wenn Sie dort einmal die gesamte Adventszeit durchgemacht haben, haben Sie spätestens am Heiligen Abend den Verstand verloren und müssen sich danach nie wieder wegen Weihnachten Sorgen machen.