Mundtabak
Snus-Legalisierung: Wasserfallen krebst zurück

Die Schweizer konsumieren immer mehr Snus. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen setzte sich vor einem Jahr für eine Zulassung der Mundtabak-Beutelchen in der Schweiz ein. Heute will er davon nichts mehr wissen.

Jessica Pfister
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Aargauer Zeitung

Der Snus-Import in die Schweiz boomt. Die Einfuhr des gemahlenen Tabaks, der in Beutelchen unter die Lippen geschoben wird, betrug von Januar bis August 11,6 Tonnen. Vor vier Jahren waren es erst 1045 Kilo.

In Beutelchen (1 Gramm) umgerechnet, konsumieren die Schweizer dieses Jahr weit über 10 Millionen Stück, wie die «Sonntagszeitung» berichtete. Das Problem: Snus ist in der Schweiz illegal und darf lediglich zum Eigengebrauch aus Schweden importiert werden.

Um dies zu ändern hat der junge FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (BE) vor einem Jahr eine Interpellation eingereicht. Darin wollte er vom Bundesrat wissen, welche rechtlichen Hindernisse Handel und Vertrieb in der Schweiz entgegenstehen.

Schädlich fürs Zahnfleisch

Snus ist ein mit Salzen versetzter Tabak, der unter die Ober- oder Unterlippe gesteckt wird. Hierbei wird etwa die gleiche Menge Nikotin resorbiert, wie dies bei einer Zigarette der Fall ist. Das Salz dient dazu, den pH-Wert im Mund aufrecht zu erhalten, was die Aufnahme von Nikotin begünstigt. Snus wird meist in Plastikdosen verkauft. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) stuft Snus als weniger gesundheitsschädigend ein als das Rauchen von Zigaretten. Trotzdem weist es auf Gefahren hin: Das Nikotin mache abhängig. Krebserregende Stoffe könnten Krebs im Mundbereich oder der Bauchspeicheldrüse verursachen. Der Mundtabak könne das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut schädigen.(jep)

Als Argument dafür, die Zulassung von Snus zu prüfen, führte Wasserfallen Schweden an, wo der Mundtabak im Unterschied zu den übrigen EU-Ländern erlaubt ist. «Dort ist der Mundtabak eine Alternative zum Rauchen», schrieb Wasserfallen in der Begründung. Als Folge davon habe das skandinavische Land die europaweit tiefste Raucherquote sowie die niedrigste Rate an Lungenkrebserkrankungen.

«Wäre problematisch»

Heute gibt sich Wasserfallen jedoch weit zurückhaltender: «Jetzt, wo der Tabakkonsum zurückgeht, wäre es problematisch ein anderes Tabak-Produkt zuzulassen», sagt er auf Anfrage. Man müsse zuerst beobachten, wie sich die Zahl der Raucher hierzulande entwickle. «Die Zulassung von Snus macht dann Sinn, wenn sich der Tabakkonsum wie in Schweden auf einem Niveau von etwa zehn Prozent einpendelt.» Wäre der Mundtabak bereits heute am Kiosk zu kaufen, sei die Gefahr zu hoch, dass Snus neben den Zigaretten ebenfalls zum Suchtproblem werde.

Von einer Raucherzahl von zehn Prozent ist die Schweiz jedoch weit entfernt. Zwar ist seit letzter Woche klar, dass die Tabakumsätze im Detailhandel monatlich um bis neun Prozent geschrumpft sind und auch die Importe von Tabakwaren zwischen Mai und August um 12,8 Prozent zurückgingen. Mit durchschnittlich acht Zigaretten pro Tag gehört die Schweiz aber immer noch zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Tabakwaren.

Der Bundesrat hält darum nichts davon, dass mit Snus ein «weiteres schädliches Tabakprodukt in der Schweiz Fuss fasst», wie er in der Antwort auf Wasserfallens Interpellation schrieb.

Tabakriesen für Legalisierung

Anderer Meinung sind die Tabakproduzenten. «Wir sind der Ansicht, dass das Snus-Verbot aus wissenschaftlichen Gründen nicht gerechtfertigt ist und aufgehoben werden sollte», sagt François Thoenen, Pressesprecher von Philip Morris S.A gegenüber «aargauerzeitung.ch». Studien hätten ergeben, dass ein Konsument, der von Zigaretten zu Snus wechselt, sein Gesundheitsrisiko um ungefähr 90 Prozent reduziere.

Auch bei British American Tobacco (BTA) setzt man sich für eine Legalisierung ein. «Sie würde uns erlauben, den Erwachsenen Tabakkonsumenten eine alternative zur Zigarette zu bieten», sagt Sprecher Christophe Berdat.