Im Wirtschaftsdepartement (WBF) von Johann Schneider-Ammann herrscht Nervosität: Die sechsköpfige Finanzdelegation (FinDel) des Bundesparlaments unter CVP-Ständerat Jean-René Fournier (VS) will «vertieft abklären», wie der «Prozess zum Verkauf der SCL- und SCT-Schiffe» ablief. Das teilte die FinDel am Freitag mit.

Die «SCL- und SCT-Schiffe» sind die acht Frachter und vier Tanker, die Reeder Hansjürg Grunder (Enzian-Reederei) gehörten. Weil Grunder zahlungsunfähig wurde und der Bund für die Hochseeschiffe bürgte, muss er nun bis zu 215 Millionen Franken aufwerfen.

Die Grunder-Reederei war seit spätestens 2015 praktisch zahlungsunfähig. Statt die Flotte zu liquidieren, versuchte der Bund zunächst, sie zu sanieren. Erst im Herbst 2016 wurde der Verkauf der Schiffe beschlossen, zunächst war der mysteriöse Este Timo Sas als Käufer vorgesehen. Der Schaden wuchs noch an.

Im Mai 2017 wurden zwei Frachter an einen Türken verkauft. Vier Tanker und sechs Frachter gingen an den früheren Geschäftspartner von Grunder: Talal Hallak, der als Geldgeber den Immobilienkonzern Groupe Mach aus Montreal im Rücken hat. Der Kaufpreis für die Schiffe betrug wohl etwas über 60 Millionen US-Dollar. Fast so viel waren allein die vier Tanker wert. Der Schätzwert aller zehn Schiffe betrug etwa 100 Millionen.

Insider fragen sich: Warum verkaufte der Bund ausgerechnet an Hallak? Sie sagen: Es gab andere, für den Bund bessere Optionen. Mindestens zwei Schweizer Firmen mit Sitz in der Schweiz wollten die Schiffe übernehmen.

Die FinDel will auch das Verhalten der Akteure des Bundes sowie der involvierten Banken untersuchen. Erfahrungen im Ausland zeigen, dass die Banken massgebliche Treiber von überhöhten Schiffskrediten waren. Schiffspreise wurden künstlich hochgeschaukelt.

Das WBF von Bundesrat Schneider-Ammann rechtfertigte sich gestern: Man habe stets «auf maximale Schadenminimierung» hingearbeitet. Aber: «Der Bund verfügte als Bürge im Verkaufsprozess nur über beschränkte Einflussmöglichkeiten – die Führung der Unternehmung wie auch die Verkaufsentscheide bei den Schiffen lagen bei den verantwortlichen Organen der Gesellschaft.» Soll heissen, Reeder Grunder hatte den Bund im Schwitzkasten. Beobachter sehen sich bestärkt im Eindruck, dass es eine Art «Deal» zwischen Bund und Grunder gab. Der Reeder ist jedenfalls schon wieder im Geschäft, er hat in Deutschland eine Firma gegründet, die in China Öko-Tanker baut.

Aber offiziell geht man beim Bund davon aus, dass Grunder mittellos ist. Obwohl bekannt ist, dass der Reeder seit Jahren über Offshore-Firmen in Gibraltar und Hongkong verfügte, über die Millionenzahlungen liefen.

GPK: Bericht im Sommer

Unter Beschuss dürften die Bundesverantwortlichen auch durch die Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) kommen. Diese untersuchen die Aufsicht und das Risikomanagement des Bundes. Nationalrätin Yvonne Feri (SP, AG), Präsidentin der GPK-Arbeitsgruppe, sagt: «Der Zeitplan sieht vor, dass wir unsere Arbeit bis im Sommer abschliessen.» Nicht vom Tisch ist das Einsetzen einer Untersuchungskommission (PUK).

Denn es drohen neue Verluste: Der Bund stellte in der Staatsrechnung 2017 mittlerweile weitere 100 Millionen Franken «für allfällige weitere Bürgschaftsverpflichtungen» zurück. Gemäss Informationen der «Schweiz am Wochenende» ist namentlich die Genfer Reederei Massoel angeschlagen.