Jetzt flammt sie wieder so richtig auf, die Debatte um neue Kampfjets. Heute beraten die Delegierten der SP Schweiz in Olten ihr «Konzeptpapier Luftwaffe». Eine zentrale Forderung darin: Bloss keine Eile bei der Beschaffung neuer Kampfjets. Denn die Nutzungsdauer der heutigen Schweizer Jets, der F/A-18, könne ohne weiteres bis «weit über 2030 verlängert» werden. Nach der bereits beschlossenen Erhöhung der Nutzungsdauer von 5000 auf 6000 Flugstunden (Kosten: 450 Millionen) sei eine weitere Erhöhung um nochmals bis zu 2000 Flugstunden möglich. Also gebe es keinen Grund, dass Verteidigungsminister Guy Parmelin (SVP) die Evaluation neuer Jets «völlig überhastet» voranzutreiben.

Solche Aussagen wollen die Rüstungsexperten im VBS nicht stehen lassen. Das Problem auf ihrer Sicht: Einige Politiker wollen einfach nicht glauben, dass die F/A-18 der Schweiz nicht mit denen anderer Staaten vergleichbar sind. Schon gar nicht mit denen der Navy.

Aber genau das tut jetzt die SP: Sie beruft sich auf den F/A-18-Hersteller Boeing und die US-Navy. Diese sei dabei, die Nutzungsdauer ihrer F/A-18 nochmals um 1000 bis 2000 Stunden zu verlängern. Also gehe das auch bei den Schweizer Exemplaren, so die SP. Sie bestreitet, dass die Schweizer Jets besonders hohen Belastungen ausgesetzt und daher kurzlebiger sind: «Die US-Navy benützt ihre F/A-18 auf Flugzeugträgern, das heisst, die Jets werden mittels Katapult beim Start und Fangseilen bei der Landung extrem beansprucht».

Geheimnotizen der Navy

Wer hat recht, wo ist der Jet-Verschleiss grösser, beim VBS oder bei der US-Navy?

Die «Schweiz am Wochenende» hatte exklusiv Einblick in klassifizierte Unterlagen der US-Navy und des Herstellers Boeing. Ein erst einige Tage altes Schreiben der US-Navy ans VBS hält fest: «Unterschiede beim typischen operationellen Einsatz der Schweizer F/A-18 führen zu einer grösseren Summierung der Strukturermüdung pro Flugstunde, als sie bei der US-Navy festgestellt wird.» Daher seien die «Schweizer Flugstunden in Bezug auf die sichere Nutzungsdauer nicht mit den Flugstunden der US-Navy gleichzusetzen.» Will heissen, die Schweizer Jets halten weniger lang, obwohl sie von Anfang an eine verstärkte Struktur hatten.

Kleine Schweiz, viele Kurven

Aus dem Navy-Papier geht weiter hervor, dass die Amerikaner nicht alle, sondern nur «einige ausgewählte» ihrer insgesamt etwa 600 Jets für zusätzliche Flugstunden nachrüsten. Also Jets, die noch wenig Verschleisserscheinungen zeigen. Solche gibt es laut VBS aber in der Schweiz gar nicht. Die noch 30 F/A-18 werden alle intensiv eingesetzt.

Der Grund für die höheren Abnützungserscheinungen der Schweizer Jets: Die vielen steilen Starts in gebirgigem Umfeld, so Meiringen im Berner Oberland. Und im Unterschied zu den Jets anderer Staaten können die Schweizer nie längere Zeit geradeaus fliegen. Weil die Schweiz so klein ist, sind sie ständig in Kurven unterwegs.

Boeing: «Deutlich härter»

Ein weiterer Unterschied: Die Schweizer Jets werden «ausschliesslich für den Schutz des Luftraums (Luftpolizeidienst und Luftverteidigung) eingesetzt, war zu einer erheblich höheren Belastung insbesondere der Zelle und anderer Strukturelemente führt, als bei Einsätzen primär im Erdkampf». So steht es in einem unveröffentlichten Papier des VBS. Da werden die Kosten einer allfälligen Ausweitung der Nutzungsdauer bis 2035 auf 1,75 Milliarden beziffert.

Auch Hersteller Boeing kommt dem VBS in einer Art Mitbericht zu Hilfe. Boeing hält fest: Die Schweizer F/A-18 seien stärkeren Belastungen ausgesetzt als die Jets der US-Navy. Die Struktur der Schweizer Jets, auf 5000 Flugstunden ausgelegt, basiere «auf dem Flugprofil und den Flugparametern in der Schweiz und den dortigen Missionsanforderungen». Diese seien «deutlich härter» als die Parameter der US-Navy. Auch laut Boeing sind Verschleiss und Belastung bei den Schweizer Jets höher als bei den US-Maschinen.

Fest steht: Das VBS kämpft dafür, so schnell wie möglich mit der Evaluation neuer Kampfjets beginnen zu können. «Es gibt keine vernünftige Alternative», sagt einer. An einer der nächsten Sitzungen wird sich der Bundesrat mit dem Milliardenprogramm von VBS-Chef Parmelin für die Luftverteidigung befassen. Anschliessend ist geplant, die neue Kampfjetevaluation zügig zu starten. Ab 2025, so das Ziel, sollen die neuen Jets geliefert werden.