Silvio Berlusconi schäumt

David Mills (l) und Silvio Berlusconi

David Mills (l) und Silvio Berlusconi

Nach der Veröffentlichung eines Urteils gegen seinen ehemaligen Anwalt David Mills holt Italiens Premier zu einem Rundumschlag aus.

Dominik Straub, Rom

«Die Strafjustiz ist eine Krankheit unseres Systems», polterte Regierungschef Berlusconi gestern vor der Versammlung des Industriellenverbands. Die Richter hätten das Gegenteil der Wahrheit verkündet, «weil sie Linksextremisten sind». Beim Urteil gegen seinen ehemaligen Vertrauensanwalt David Mills handle es sich um die «übliche, auf anstehende Wahlen getimte politisierte Justiz» einer Institution, die «Teil von jenem Italien ist, das für mich nur politischen Hass und Neid empfindet».

Der Gerichtsentscheid, der den Premier derart in Rage brachte, war nicht neu: Das Urteil war schon Mitte Februar gefällt worden. Der britische Anwalt Mills soll für viereinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er in zwei Verfahren gegen Berlusconi zugunsten seines Mandanten falsch ausgesagt und dafür von Berlusconis Holding Fininvest 600 000 Dollar Bestechungsgeld entgegengenommen haben soll. Das Urteil hatte kaum Aufsehen erregt. Doch aus der schriftlichen Begründung geht jetzt klar hervor, wer der wirklich Korrupte sein soll: Silvio Berlusconi.

In seine Wut auf die Richter schloss Berlusconi gleich noch eine andere Institution ein, die ihm ebenfalls schon länger ein Dorn im Auge ist: das Parlament. Es sei in der Lage, alles zu verzögern und zu verhindern. Berlusconi will deshalb eine Volksinitiative starten mit dem Ziel, das Parlament von 630 auf 100 Mitglieder zu verkleinern.

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