SVP-Übervater ist mit dem Abstimmungsausgang hoch zufrieden. Geglaubt hat er es aber lange nicht. «Ich habe bis zu Schluss nicht daran geglaubt», sagt er auf Teleblocher.ch, seinem eigenen Web-TV-Kanal. Er fürchtete sich vor dem Verdikt der grossen Städte.

Blocher verlangt vom Bundesrat, dass er sich nun umgehend daran macht, den Volkswillen umzusetzen. «Je schneller desto besser», sagt Blocher. Zurücktreten, wie das der ehemalige BDP-Chef Hans Grunder gefordert hat, müsse er nicht. «In der Schweiz treten Bundesräte nach verlorenen Abstimmungen nicht zurück.» Zurücktreten müsse der Bundesrat nur dann, wenn er «den Auftrag des Stimmvolkes» innerlich nicht umsetzen könne.

Nächste Woche nach Brüssel

Er erwarte, dass der Bundesrat bereits nächste Woche nach Brüssel fliege und den Ausgang der Abstimmung erkläre und auch die Folgen, nämlich, dass die Schweiz bei der Personenfreizügigkeit das Heft wieder selbst in die Hand nehme.

Die Initiative gibt dem Bundesrat drei Jahre Zeit, das Abstimmungsergebnis umzusetzen. Die SVP will laut Blocher aber «peinlichst genau darauf schauen», dass der Volksentscheid nun umgesetzt werde.

Von Retourkutschen aus Brüssel fürchtet sich Blocher nicht. Zu einem sei die Schweiz für die EU ein wichtiger Handelspartner. Zudem könne die EU die bilateralen Verträge nicht einfach so kündigen. Jedes einzelne Land müsse einverstanden sein. Daran zweifelt Blocher. Als wichtiges Pfand sieht er dabei den Verkehrsvertrag. Holland oder Deutschland würden den Transit-Vertrag nicht kündigen. «Wir brauchen diese Verbindung nicht, die anderen brauchen sie», so Blocher.

Er glaubt sogar, dass der Bundesrat nach der Abstimmung in Brüssel nun eine starke Stellung hat, eine viel stärkere als zuvor.

Nicht so bedeutungsvoll wie EWR-Abstimmung

Für Blocher ist der heutige Abstimmungssieg bedeutungsvoll fürs Land, aber nicht ganz so bedeutend wie die EWR-Abstimmung von 1992.

Blocher erklärt im Interview auch, wieso er am Sonntag abwesend war. «Ich bin nie bei offiziellen Feiern bei Abstimmungen dabei», sagt der SVP-Vordenker. Denn es gäbe nur eine Reaktion: «Verstanden, der oberste Chef hat entschieden», sagt er. Blocher weilte daher in einem Hotel im Berner Oberland. Im Zimmer, in dem er sich interviewen liess, waren in Hintergrund auf einem Bild zwei Kühe zu sehen. «Ist doch schön, das schweizerische Nationaltier bei einer solchen Abstimmung im Rücken zu wissen».