Wehrpflicht-Debatte
«Sie sind wirklich der dümmste Nationalrat, den ich je gehört habe»

SP-Nationalrat Cédric Wermuth bezeichnet Armee-Waffen als Phallus-Ersatz. Für diesen Vergleich hagelt es nun Kritik. Er sei der dümmste Nationalrat, schrieb ihm ein Bürger. Die SVP will ihm einen Nobelpreis verleihen. Wermut nimmts gelassen.

Michael Hugentobler
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Cédric Wermuth zur Wehrpflicht: «Soldaten grölen und ballern mit dem Sturmgewehr als Phallusersatz rum».

Cédric Wermuth zur Wehrpflicht: «Soldaten grölen und ballern mit dem Sturmgewehr als Phallusersatz rum».

Keystone

Der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth reagiert gelassen auf die harsche Kritik zu seiner gestrigen Rede über die Wehrpflicht. «Ich bin mich das gewöhnt», so der Ex-Juso-Chef. Wenn die Kritik auf einem tiefen Niveau verfasst sei, gebe ihm das keine schlaflosen Nächte. «Ich nehme das nicht so ernst.»

Kritik hagelte es auf allen Kanälen, Wermuth macht sie via Twitter teilweise öffentlich. So etwa eine Mail, in dem ihm bereits am Mittwoch jemand schrieb: «Sie wind wirklich der dümmste Nationalrat, den ich je gesehen und gehört habe (...), Sie Nichtsnutz.» Weitere solche E-Mails erreichen ihn am Donnerstagmorgen, wie er gegenüber az erklärt.

E-Mail an Wermuth

E-Mail an Wermuth

Screenshot Twitter

Überrascht ist er dennoch, dass die Kritik in dieser Heftigkeit kommt. «Ich hätte nicht gedacht, dass man sich so massiv über einzelne Worte wie zum Beispiel ‹Phallus› aufregen kann.»

Sturmgewehr als Phallusersatz bezeichnet

Was ist passiert? An der Debatte im Nationalrat vom Mittwoch sagte Wermuth: «Mit der Zwangsmilitarisierung der jungen Männer fördern wir nicht nur ein antidemokratisches Menschen- und Gesellschaftsbild, wir festigen darüber hinaus auch noch antiquierte Rollenbilder.» Er bezog sich auf Sigmund Freud und bezeichnete die RS als «abrupte Trennung der Männer von ihren Müttern und allem Weiblichen». Die Soldaten würden durch den Dreck robben, mit dem Sturmgewehr als Phallusersatz rumballern und in sinnentleerten Solidargemeinschaften herumgrölen.

In der Folge meldete sich SVP-Nationalrat Hans Fehr: «Sind Sie nicht auch der Meinung, dass Sie den Nobelpreis verdient haben?» So viel Unsinn habe in so kurzer Zeit noch keiner erzählt. Wermuth konterte geschickt: «Ich reise gerne mit Ihnen nach Norwegen und nehme den Preis entgegen - Sie müssen mir nur noch sagen, in welcher Kategorie, Frieden, Physik oder Wirtschaft.» Die Aussage erntete Lacher im Saal.

Nun meldete sich Nationalrat und Buchautor Oskar Freysinger von der SVP zu Wort: Die RS habe ihn literarisch gefördert. «Ich hatte nach meiner Armeezeit sage und schreibe das Gesamtwerk von John Steinbeck intus.» Darauf die Antwort Wermuths: «Danke Herr Freysinger für das Aufdecken der offensichtlichen Bedeutung der Rekrutenschule in diesem Land - Sie hätten es nicht besser beschreiben können.»

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