Familieninitiative

Sie sind auch Profiteure der SVP-Initiative: Vater und Mutter arbeiten Teilzeit

Doppelte Teilzeit-Familien: Drei Erwerbstage, zwei Kindertage – das Modell von Diana und Kurt Berger-Aschwanden aus Luzern ist eine der vielen möglichen Formen, wie sich Beruf und Familie in Einklang bringen können.

Die Köpfe hinter der SVP-Familieninitiative hatten mit Sicherheit nicht das Modell von Familie Berger-Aschwanden im Sinn, als sie ihre Forderung eines Steuerabzugs für die Eigenbetreuung der Kinder formulierten. Die Absicht der Initianten ist es, die traditionelle Familie zu stärken – jene Familien also, in denen die Frau die Verantwortung für die Kinder und den Haushalt trägt, der Mann für das Einkommen zuständig ist. Doch in der Schweiz gibt es längst eine Vielfalt von Familien-Organisationsformen. So entscheiden sich auch Paare für die Selbstbetreuung ihrer Kinder, bei denen dies nichts mit einer konservativen Haltung zu tun hat.

Oerlikon, eine ruhige Quartierstrasse, ein schmuckes Häuschen. Autobahn und Flughafen scheinen weiter entfernt, als sie es in Wahrheit sind. Hier wohnen Diana und Kurt Berger mit ihren beiden Kindern. Die Treppen sind mit Schutzgittern gesichert: Mit der Geburt von Lara im September lernte der grosse Bruder Sandro (15 Monate) zu gehen. Flink wieselt er mittlerweile herum und reicht den Besuchern Stofftiere wie Opfergaben in die Hand.

Abwechselnde Betreuung

Diana Berger ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub. Angestellt ist die Anwältin beim Amt für Zusatzleistungen der Stadt Zürich. Sie arbeitet dort seit 2008 in einer 60-Prozent-Anstellung. Bevor sie Mutter wurde, arbeitete sie zudem zunächst 40 Prozent als Anwältin in einer Kanzlei, danach schrieb sie gelegentlich für eine juristische Zeitschrift, unterrichtete am KV angehende Sozialversicherungs-Fachleute und gab Tanzunterricht. Ebenso viele Nebenbeschäftigungen hat ihr Mann Kurt, ebenfalls ein Rechtsanwalt, der im 60-Prozent-Pensum beim Sozialamt des Kantons Zürich arbeitet.

Bergers Kinder haben von beiden Elternteilen genau gleich viel: Montag ist Mama-Tag, Dienstag ist Papa-Tag, Mittwoch ist Grosseltern-Tag, Donnerstag wieder Mama-Tag und Freitag Papa-Tag. «Wir teilen uns aber nicht nur die Kinderbetreuung, sondern auch den Haushalt partnerschaftlich», betont Diana Berger.

Halbe-halbe: Dieses Familienmodell bezeichnen Bergers als «Ideallösung». In den Schoss gefallen ist es dem Paar nicht. «Man muss dieses Modell wirklich wollen», sind sich die jungen Eltern einig. Kurt Berger sagte beim Bewerbungsgespräch klar, er wolle die als 80 bis 100 Prozent ausgeschriebene Stelle nur, wenn er 60 Prozent arbeiten könne. Damals war seine Frau gerade frisch schwanger.

Das Glück, den richtigen Mann gefunden zu haben

Fachleute empfehlen Paaren, sich schon vor der Geburt des ersten Kindes mit den Vorstellungen über die künftige Aufteilung der Erwerbs- und Kinderarbeit klarzuwerden. Das hat dieses Paar vorbildlich gemacht. Wobei: «Gross diskutieren mussten wir nicht», erinnert sich der 34-jährige Kurt Berger. Ihm sei immer klar gewesen, dass er auch zu Hause sein wolle. Und Diana Berger bezeichnet es als «Glück, einen Mann zu haben, der zu gleichen Teilen mittragen will». Da sie die gleiche Ausbildung und den gleichen Lohn hätten, habe auch der finanzielle Aspekt bei den Überlegungen, wer in welchem Pensum arbeiten soll, keine Rolle gespielt.

Plötzlich kommt Hektik auf: Sandro ist gestolpert und hat sich unglücklich oberhalb der Augenbraue verletzt. Es blutet, er weint. Von Mamas Schoss wandert er in Papas Arme – nach einer Dosis Globuli und mit dem Nuggi im Mund ist er aber schon bald wieder in sein Spiel vertieft. Nur das Blut, das lässt er sich nicht wegwaschen. Lara schlummert satt und zufrieden in ihrer Wippe.

Für sie sei es das Wesentliche, dass die Kinder ihren Papa gleich geniessen könnten wie ihre Mama, sagt die 32-jährige gebürtige Luzernerin. «Ebenso wichtig ist mir aber auch, dass wir uns als Eltern die Verantwortung aufteilen können.» Kurt und sie wüssten beide genau gleich gut Bescheid – das bedeutet für den Einzelnen eine Entlastung.

Der SVP-Familieninitiative steht das Paar positiv gegenüber. «Mit unserem doppelten Teilzeit-Modell haben wir ebenso eine Einkommenseinbusse wie Leute, die ihr Kind in eine Kita geben», gibt Diana Berger zu bedenken. Zur aktuellen hitzig geführten Debatte über Familien- und Erwerbsmodelle sagt sie: «Schade, werden die Modelle gegeneinander ausgespielt.»

Bergers bekommen für ihr «egalitär-familienbezogenes Modell», wie es in der Fachsprache heisst, immer wieder anerkennende Worte zu hören. Nur selten belächelt jemand Kurt Berger für sein familiäres Engagement. Dann fallen Sprüche wie «zu Hause eine ruhige Kugel schieben». Berger lächelt dann nur; er weiss es besser.

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