Mattea Meyer
Sie ist eines der ganz grossen politischen Talente

Mattea Meyer, 27-jährige Kantonsrätin aus Winterthur, hat eine rasante Karriere hinter sich und soll der SP viele Stimmen sichern.

Dennis Bühler
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Bei der SP hoch gehandelt: Mattea Meyer.

Bei der SP hoch gehandelt: Mattea Meyer.

zvg

Als «neues Supertalent» und «grosse Überraschung» bezeichnete sie die NZZ, und der «Tages-Anzeiger» konstatierte erstaunt, die SP setze «eine Studentin vor einen Topdiplomaten»: Doch Mattea Meyer, 27-jährige Kantonsrätin aus Winterthur, erhielt von den Delegierten der SP des Kantons Zürich Ende Mai nicht nur den Vorzug vor Tim Guldimann, dem Schweizer Botschafter in Berlin. Auf Listenplatz 4 liess sie auch die beiden Bisherigen Martin Naef und Chantal Galladé hinter sich.

Zieht man die Kantonsratswahlen vom April als Prognosehilfe zurate, darf sich Meyer grosse Wahlchancen ausrechnen: Die SP konnte ihren Wähleranteil halten. Gelingt ihr dies auch am 18. Oktober, verteidigt sie ihre sieben Sitze – und kann erst noch hoffen, dass ihr bisheriger Nationalrat Daniel Jositsch fünf Wochen später im zweiten Wahlgang in den Ständerat einzieht und so einem weiteren Genossen zum Sprung in die grosse Kammer verhilft.

Sie sei noch immer überwältigt, dass die Delegierten ihr so viel Vertrauen entgegengebracht hätten, teilt Meyer aus der Toskana mit, wo sie gegenwärtig Energie tankt für die anstehenden kraftzehrenden zweieinhalb Wahlkampfmonate.

Bis anhin verlief ihre politische Karriere rasant: 2010 rutschte sie in den Winterthurer Gemeinderat nach, ein Jahr später wurde sie als jüngstes Mitglied in den Zürcher Kantonsrat gewählt. Im vergangenen April wurde sie mit einem Glanzresultat im Amt bestätigt: Meyer, die innerhalb der SP zum linken Parteiflügel zählt, erhielt mehr Stimmen als jeder andere Winterthurer Kandidat.

Einsatz für 1:12-Initiative

Ihr politisches Interesse sei während des Gymnasiums geweckt worden, erzählt sie. «Ich wollte nicht tatenlos zusehen, wie ungerecht Chancen und Vermögen in der Welt und der Schweiz verteilt sind.» Der Einsatz für grössere soziale Gerechtigkeit blieb seither ihr vordringlichstes Postulat. Im Zürcher Kantonsrat fällt sie mit pointierten Vorstössen auf, mit denen sie mehr Steuergerechtigkeit fordert, 2013 engagierte sie sich stark für die 1:12-Initiative (die beim Stimmvolk mit 65,3 Prozent Nein durchfiel).

Überhaupt steckt noch eine grosse Portion Jungsozialismus in der 27-Jährigen, die vor ein paar Wochen ihr Masterstudium in Wirtschaftsgeografie abgeschlossen hat: Das politische System hat sie noch nicht derart ernüchtert und ausgebremst, dass sie nicht mehr an grosse Umwälzungen glaubte. «Ich verfolge eine Politik, die statt Profitmaximierung den Menschen ins Zentrum stellt, und stehe hinter dem Fernziel der SP, den Kapitalismus zu überwinden», sagt sie. Denn statt sich vom Geld regieren zu lassen, sollten Entscheide demokratisch gefällt werden. «Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der das Miteinander mehr zählt als das Gegeneinander.»

«Grosse analytische Kompetenz»

Seit zwei Jahren arbeitet Meyer als persönliche Mitarbeiterin von Nationalrat Cédric Wermuth (Aargau) und Nationalrätin Marina Carobbio. Die Tessinerin attestiert Meyer «grosse analytische Kompetenz» und hält sie für eine «sehr vielversprechende Kandidatin». Auch die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr, die Meyer als ihre grösste persönliche Förderin bezeichnet, ist des Lobes voll: «Mattea Meyer zählt für mich zu den ganz grossen Talenten der Schweizer Politik.»

Wie viele ihrer Kollegen der «1:12-Generation» bringe Meyer drei wesentliche Voraussetzungen mit: die Fähigkeit zur politischen Analyse, solides Handwerk und grossen Spass an der Politik.

Grosse Hoffnungen in sie setzt auch Juso-Präsident Fabian Molina, der vier Listenplätze hinter Meyer in die Nationalratswahlen startet und diese seit acht Jahren kennt. Aktuell seien bloss 18 der 246 Parlamentarier jünger als 40-jährig, obwohl 27 Prozent der Bevölkerung zu dieser Alterskategorie gehörten, sagt er. Zudem fehle es an Frauen. «Das Parlament repräsentiert die Bevölkerung nicht. Die Wahl Mattea Meyers hülfe, auf einen Schlag beide Defizite zu beheben.»