Suhr
«Sie hat sehr sparsam gelebt»

Der Name der Suhrer SVP-Gemeinderätin ist bereits von der Gemeinde-Website gelöscht worden. Sie hat demissioniert: Die Schulpflege ist darüber nicht unglücklich.

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Deborah Balmer

Hinter der Geschichte um die Suhrer Gemeinderätin liegt offensichtlich viel Konfliktpotential, das jetzt an die Oberfläche kommt: B. R. soll ein Liebkind des FDP-Gemeindeammanns Beat Rüetschi gewesen sein - gleichzeitig hätte die Schulpflege unter der schlechten Zusammenarbeit mit der Politikerin gelitten.

B. R. betreute in ihrem Amt als Gemeinderätin das Ressort Schule. Dazu Schulpflegepräsident Heiner Kilchsperger: «Wir hatten wenig direkten Kontakt mit ihr.» Gemeinsame Lösungen zu finden sei deshalb schwierig gewesen. Heiner Kilchsperger bezeichnet B. R. als sehr distanziert und eine Person, die sich nicht in die Karten schauen lässt.

Mehrmals habe die Schulpflege eine Aussprache beim Gemeinderat verlangt, mit dem Ziel, die Kooperation zu verbessern. Dass B. R. nicht mehr im Gemeinderat ist, betrachtet der Schulpflegepräsident jetzt als «Chance für eine bessere Zusammenarbeit».

FDP-Gemeindeamman Beat Rüetschi: «Nach unserer Einschätzung war B. R. eine korrekte und kompetente Ressortleiterin». Wie die Zusammenarbeit war, müsse der Schulpflegepräsident selber beurteilen. «Es kann natürlich sein, dass die Chemie nicht gestimmt hat.»

Doch im Gemeinderat habe B. R. die Anliegen der Schule immer seriös vertreten, liegen geblieben sei nie etwas. «Die Verhaftung von B. R. war ein Schock für mich.» Nie hätte er so etwas erwartet von seiner Kollegin, mit der er «Auffassungen grösstenteils geteilt habe».

Und: «Sie war doch die Korrektheit in Person - hat sogar uns manchmal auf gesetzliche Grundlagen aufmerksam gemacht», so der Gemeindeammann, der elf-einhalb Jahre mit B. R. im Gemeindrat Suhr tätig war. Wofür denn B. R. 300 000 Franken veruntreut haben soll, kann er sich nicht erklären. Die Frau habe äusserst sparsam gelebt, sei beispielsweise immer mit demselben Auto unterwegs gewesen.

Auch ihre Stelle als Leiterin Soziales in Gränichen hat B. R. infolge des Strafverfahrens gekündigt. Man bedauert dies: «Wir verlieren eine augezeichnete Mitarbeiterin», sagt Gemeindeammann Hans Fellmann.

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