«So darfst du da auf keinen Fall hin», sagt die Schwester und schüttelt den Kopf. Kurzer Rock, Strümpfe, Schuhe mit Absatz? «In der Moststube geht das nicht. Die werden dich nicht in Ruhe lassen.» Ist bei einem Olma-Besuch als Frau tatsächlich Vorsicht geboten? Und beginnt die schon bei der Kleiderwahl?

Die Debatte um #MeToo, sexuelle Übergriffe und das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau sind seit einem Jahr Thema in den Medien. Zahlreiche Frauen haben von ihren Erlebnissen berichtet. Auch, um anderen Mut zu machen, sich zu wehren. Nicht selten geschehen die Vorfälle im Nachtleben. Dann, wenn der Alkoholpegel steigt und die Hemmschwelle sinkt. Das gilt auch für die Olma.

In den Degustationshallen oder in und rund um die Festzelte der St.Galler Herbstmesse wird viel getrunken. Und dabei wird viel gegrapscht, wie Messebesucherinnen erzählen. Eine Antwort kommt immer wieder:

Nicht immer bleibt es bei vermeintlich zufälligen Berührungen. Frauen erzählen auch von offensiven Übergriffen:

Andere Frauen berichten von Sprüchen, die unter die Gürtellinie gehen.

Keine Anzeigen bei der Kantonspolizei

Angezeigt werden solche Vorfälle an der Herbstmesse selten. Bei den offiziellen Stellen waren im vergangenen Jahr keine Fälle von sexuellen Übergriffen bekannt. Das ist dieses Jahr nicht anders: Im Zusammenhang mit der Olma seien bisher keine Anzeigen wegen sexueller Belästigung eingegangen, heisst es auf Anfrage bei der Kantonspolizei St.Gallen. Auch seitens Stadtpolizei St.Gallen laufen der Herbstjahrmarkt und die Olma im Rahmen der Vorjahre. «Bis anhin haben wir keine speziellen Zwischenfälle zu verzeichnen», sagt Mediensprecher Dionys Widmer.

Wieso melden sich die Frauen nicht? Die befragten Messebesucherinnen in den Festzelten antworten unterschiedlich. Die einen sagen, sie würden sich nicht trauen, andere glauben nicht an den Erfolg einer Anzeige: «Bringt doch sowieso nichts.» Die offiziellen Stellen raten indes zur Vorsicht - nicht nur an der Olma. Vor allem Frauen sollten nachts nicht alleine unterwegs sein und dunkle, einsame Plätze wie etwa Pärke meiden. Kommt es zu einem sexuellen Übergriff, sollte das Opfer auf sich aufmerksam machen - und etwa laut schreien.

Die Namen der Frauen wurden zu ihrem Schutz geändert.