OSZE
Sie bereitet die Schweiz auf das OSZE-Präsidium vor

2014 übernimmt die Schweiz den Vorsitz in der OSZE. Die Diplomatin Heidi Grau bereitet die Schweizer Präsidentschaft vor. Jetzt informierte sie erstmals über die Ziele im kommenden Jahr.

Anna Wanner
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Der OSZE wird fehlendes Profil bis Bedeutungslosigkeit unterstellt. Wieso will sich eine Spitzendiplomatin ein Jahr lang abmühen für eine Arbeit, die wenig Prestige oder Erfolg verspricht? Ihr Auftreten entspricht so überhaupt nicht dem, was ihr Name ankündigt. Heidi Grau bändigt ihre krausen Haare mit einem Knoten im Nacken. Die Zehennägel sind rot angemalt und die Halskette wird von einem Silber-Knoten mit einem aufgesetzten Elefanten zusammengehalten.

Die 47-jährige Historikerin war aber nicht Botschafterin in Afrika oder Südostasien, sondern startete ihre Karriere 1997 in Moskau auf der Schweizer Botschaft. Zurück in der Heimat, setzte sie sich mit Fragen der Sicherheit, insbesondere mit Kleinwaffen auseinander.

Nach einem Ausflug auf die UNO-Mission in New York arbeitete sie als Kabinettschefin für alt Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Jetzt leitet Heidi Grau die Task-Force, welche das Schweizer Präsidialjahr bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vorbereitet.

Seit 40 Jahren im Dienst des Friedens

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist mit 57 Mitgliedsstaaten aus Europa, Nordamerika und Asien die grösste regionale Sicherheitsorganisation der Welt. Gegründet wurde sie vor 40 Jahren als «Helsinki-Konferenz», um im Kalten Krieg einen Dialog zwischen Ost und West zu ermöglichen. Im letzten Jahrzehnt geriet die OSZE zunehmend in Rücklage: Weder konnte in den Neunzigerjahren eine Eskalation auf dem Balkan noch vor fünf Jahren der georgisch-russische Krieg verhindert werden. Langjährige Konflikte wie jener um Berg-Karabach und um Transnistrien sind weiterhin ungelöst. Auch leidet die Organisation, die ihren Sitz in Wien hat und nur einstimmig Beschlüsse fassen kann, an Schwerfälligkeit und Reformstau. (dbü)

Grau und die Topshots

Gestern informierte Heidi Grau erstmals die Medien über die Ziele der Schweizer OSZE-Präsidentschaft. Nach einem kurzen Exkurs ihres Kollegen Thomas Greminger, der als OSZE-Botschafter das Tagesgeschäft in Wien koordiniert, doziert Grau zu sicherheitspolitischen Themen. Dabei bleibt sie bei einer Herzensangelegenheit hängen: Sie verzettelt sich in Details zum Konflikt zwischen Georgien und Russland und den Republiken Südossetien und Abchasien.

Was hat sie da geplant? Zunächst stapelt sie tief: «Wir haben ein Jahr; das ist keine lange Zeit.» Die Konflikte seien vertrackt, festgefahren. Man sollte sich bei den Aussöhnungsbemühungen im Kaukasus nicht zu viele Hoffnungen machen. «Wenn wir die Eskalationsschraube um ein Stück nach hinten drehen können, haben wir schon viel erreicht.»

Dann kommt sie auf die Guten Dienste der Schweiz zu sprechen. Jene zwischen Georgien und Russland, die Protokolle zwischen der Türkei und Armenien und schliesslich die Mediation, welche die Schweiz geleitet hatte, um Russland den Beitritt in die WTO zu ermöglichen - Georgien hatte sich lange dagegen gesperrt. Erst langsam lässt Grau durchsickern, dass sie neben den beiden Topshots der Schweizer Diplomatie, Peter Maurer und Luzius Wasescha, massgeblich an dem Erfolg der Mediation beteiligt war.

Ihr ehemaliger Weggefährte Wasescha spricht von einer «Spitzendiplomatin». Sie selber sagt bescheiden, sie hoffe, das EDA wähle das Personal nicht zufällig aus. Gemäss Wasescha handelt es sich bei Grau mit um die beste Kennerin Russlands und Zentralasiens, welche die Schweizer Diplomatie zu bieten hat.

Burkhalter trägt bald zwei Hüte

So sollen nicht nur die Guten Dienste der Schweiz das durch Finanzskandale geprägte Image der Schweiz aufpolieren. Grau selbst ist eine glaubwürdige Werbebotschafterin der Schweizer Aussenpolitik. Sie reisst Witze, interessiert sich für den Menschen, aber auch für die organisatorischen Details, wie etwa die Geschenke, die als Werbung für die Schweiz verteilt werden sollen. Und auch ihr 20-köpfiges Team suchte sie sich sorgfältig aus: Sprachkenntnis allein reicht nicht. Wichtig sei ihr die Motivation. Wer nicht arbeiten möchte, habe sich bei der falschen Stelle beworben.

Am Ende bleibt einer, der Grau die Show stehlen kann. Der Aussenminister, der künftige Chairman-in-Office der OSZE. Didier Burkhalter wird 2014 viel reisen müssen: Wenn er zum Bundespräsidenten gewählt wird, leitet er mittwochs Bundesratssitzungen und tingelt sonst um die halbe Welt. Als Aussenminister hat er den OSZE-Vorsitz inne. Doch er trägt noch einen zweiten Hut: Er kann dank seinem Rang als Primus inter Pares der Schweiz auch mit den Präsidenten reden.

Gemäss Grau ist das entscheidend, weil in manchen zentralasiatischen Ländern nicht das Volk, sondern der Präsident den Tarif durchgibt. Dieser trifft sich vorderhand mit Gleichgestellten und nicht mit Aussenministern. Eine grosse Chance für Burkhalter - und für die Guten Dienste.