Terrorgefahr
Sicherheitsdirektor fordert nationale Übung: «Wir sind in der Terrorbekämpfung taub und blind»

Der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet warnt nach dem Terror in Brüssel vor Anschlägen in der Schweiz und fordert eine nationale Terrorübung.

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Pierre Maudet fordert eine nationale Terrorübung.

Pierre Maudet fordert eine nationale Terrorübung.

KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

«Wir dürfen nicht naiv sein», sagt der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet zur „Schweiz am Sonntag“. Besonders Genf sei als Heimat der UNO und Stadt der Freiheit eine Zielscheibe für radikale Kreise. Maudet fordert nun vom Bundesrat, den Fokus auf die Terrorbekämpfung zu legen.

Demnächst würden sich gleich zwei Gelegenheiten bieten. 2017 und 2019 stehen landesweite Krisenübungen an. Maudet schwebt bereits ein entsprechendes Szenario vor: Wie müssen Polizei und Armee auf einen Terroranschlag in einer oder mehreren Schweizer Grossstädten reagieren?

2014 sah die dreiwöchige Staatsübung eine Pandemie sowie eine längerfristige Stromknappheit vor. Involviert waren die Behörden auf Bundesebene und in den Kantonen. «Wir müssen uns auf die neuen Bedrohungen vorbereiten», sagt er.

Die Schweiz müsse deshalb den Nachrichtendienst stark ausbauen. «Wir sind in der Terrorbekämpfung taub und blind», kritisiert Maudet. Es brauche zusätzliches und besser ausgebildetes Personal. Dem Nachrichtendienst müsse es zudem schneller erlaubt werden, Telefone abzuhören.

Die Schweiz hinke im internationalen Vergleich hinterher – das schade auch der Verhandlungsposition. «Mit den Informationen ist es ein Geben und ein Nehmen», sagt Maudet. «Wenn wir andern Nationen nichts anbieten können, sind sie an einer Zusammenarbeit mit uns nicht sonderlich interessiert.»

Blattmann warnt vor erhöhter Terrorgefahr

André Blattmann, Chef der Armee, sagt im Interview mit der „Schweiz am Sonntag“: „Wir führen beim Wachtdienst der Truppen verstärkte Überprüfungen durch. Wir wollen, dass der Dienst sehr ernsthaft betrieben wird, damit die Armee auch einsetzbar ist, wenn es sie braucht. Und damit sie nicht selbst zum Ziel von Anschlägen wird.“ Zurzeit stünden die Soldaten mit scharfer Munition Wache. Blattmann: „Die Situation ist ernst. Das muss man den Soldaten erklären. Sie verstehen das aber sehr wohl, weil sie ja auch realisieren, was auf der Welt geschieht.“ Die Armee schütze auch die militärische Infrastruktur besser – etwa die Armee-Logistikzentren und die Anlagen in Bern. „Und wir setzen die Militärpolizei ein. Wir wollen bereit sein, falls etwas passiert.“ Panik wolle er nicht verbreiten, aber: „Die Lage ist wirklich schwierig und ernst geworden. Wir sind froh, wenn wir nicht im Fokus solcher Anschläge sind. Tatsache ist aber: Wir müssen uns wappnen.“