Gegen die Initiative sprachen sich rund 1'125'400 Stimmberechtigte aus. Ja sagten 1'013'900 Personen. Am deutlichsten lehnten die Stimmenden in den Kantonen Basel-Stadt und Waadt das Volksbegehren ab, mit einem Nein-Stimmen-Anteil von jeweils rund 64 Prozent.

Am meisten Zustimmung erhielt die Initiative in den Kantonen Glarus und Schaffhausen mit über 55 Prozent. Ja sagten auch die Kantone Aargau, Thurgau, Solothurn, St. Gallen, Schwyz, Appenzell Ausserrhoden, Tessin sowie - als einziger Westschweizer Kanton - Genf. In der Mehrheit der Kantone resultierte jedoch ein Nein.

Mieter setzen sich durch

Damit hat das Stimmvolk in diesem Jahr bereits die zweite Initiative des Hauseigentümerverbandes (HEV) abgelehnt - und die dritte, die steuerliche Begünstigungen für Wohneigentümer verlangte. Bei den ersten beiden Volksbegehren ging es um das steuerlich begünstigte Bausparen. Im März sagten 56 Prozent der Stimmenden dazu Nein, im Juni 69 Prozent.

Am Sonntag wurde nun erneut deutlich, dass die Anliegen der Hauseigentümer in einem Volk von Mieterinnen und Mietern einen schweren Stand haben. Der Ausgang war allerdings knapper. Ins Gewicht fiel wohl, dass es diesmal um Wohneigentümer im Rentenalter ging. Das Argument, ihnen müsse kostengünstiges Wohnen ermöglicht werden, stiess auf gewisse Sympathien.

Umstrittener Eigenmietwert

Zudem drehte sich die Abstimmung diesmal um den umstrittenen Eigenmietwert - jenen Betrag, den Personen mit selbst bewohntem Wohneigentum versteuern müssen, weil sie Geld einnehmen könnten, wenn sie das Haus oder die Wohnung vermieten würden.

Bei einem Ja zur Initiative hätten Rentnerinnen und Rentner den Eigenmietwert nicht mehr versteuern müssen. Zwar hätten sie dann auch die Schuldzinsen nicht mehr vom steuerbaren Einkommen abziehen können. Weiterhin abziehbar wären aber Unterhaltskosten sowie Kosten für Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen gewesen.

Inkonsequent und ungerecht

Genau dies kritisierten die Gegner. Aus ihrer Sicht war das Volksbegehren inkonsequent. Sinnvoll wäre nur ein vollständiger Systemwechsel, argumentierten sie: Keine Versteuerung des Eigenmietwertes, keine Abzüge.

Der Bundesrat und das Parlament lehnten das Volksbegehren aber auch deshalb ab, weil sie es für ungerecht hielten. Benachteiligt gewesen wären Mieterinnen und Mieter sowie Eigenheimbesitzer, die das AHV-Alter noch nicht erreicht haben. Ausserdem warnten die Gegner vor Steuerausfällen in der Höhe von 750 Millionen Franken.

Zu hohe Verschuldung

Die Initianten fanden dagegen, die Steuerbelastung sei heute insbesondere für schuldenfreie Wohneigentümer unfair. Wer hart arbeite, um schuldenfrei zu sein, werde vom Staat mit hohen Steuern bestraft. Dies führe zu einer hohen Hypothekarverschuldung, die aus volkswirtschaftlicher Sicht eine ernste Gefahr darstelle.

Das Argument verfing am Ende nicht. Die Initiative verlor in den Monaten vor der Abstimmung auch im Lager der Bürgerlichen an Rückhalt. Einzig die SVP unterstützte sie noch. Die FDP, die sich im Parlament für das Volksbegehren stark gemacht hatte, fasste die Nein- Parole.

Schon früher hatten die Hausbesitzer erfolglos für Steuererleichterungen gekämpft. 1999 lehnte das Volk eine Initiative des Hauseigentümerverbandes mit dem Namen «Wohneigentum für alle» ab. Das Bausparen war ausserdem im «Steuerpaket» von 2004 vorgesehen, welches das Volk in einer Referendumsabstimmung ablehnte.