Die Zürcher SVP-Delegation in Bundesbern ist überaltert. Schon lange streben die Parteioberen einen Generationenwechsel an. Nachwuchshoffnung Gregor Rutz durfte in der laufenden Legislatur bereits für den gescheiterten Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger nachrücken.

Doch an den alten Schlachtrössern wie Toni Bortoluzzi oder Hans Kaufmann biss sich die Parteileitung die Zähne aus. Sie wollten ihren Platz im Nationalrat nicht einfach so räumen.

Um so überraschender kam die Rücktrittsankündigung von Hans Kaufmann. Der Bankenexperte führt als Hauptgrund die «wenig erbauliche Zusammenarbeit mit dem Bundesrat und einigen Hinterleuten in Themen, die den Finanzplatz, Steuern und internationale Abkommen betreffen», an. Von «staatsstreichähnlicher Missachtung» von Parlaments- und Volksentscheiden ist im Rücktrittsschreiben die Rede.

Kaufmann schreibt weiter, dass er einen Generationenwechsel in der Zürcher SVP ermöglichen wolle. Er wünscht sich einen Nachfolger aus der Finanzbranche.

Kaufmanns Botschaft ist klar, auch wenn er keinen Namen nennt. Banker Thomas Matter soll im Nationalrat nachrücken.

Matter gehört wie Rutz zu einer neuen Generation von SVP-Politikern. Sie sind jung und smart, haben einen akademischen Hintergrund und tragen Krawatten statt Kurzarmhemden.

Matter ist mit einem kolportierten Vermögen von 100 bis 200 Millionen Franken zudem finanziell potent; er könnte in dieser Hinsicht also in die Fussstapfen Christoph Blochers treten.

Doch ob Matter für Kaufmann nachrückt, liegt in Ernst Schiblis Händen. Der Otelfinger Gemüsebauer, national auch bekannt als Besitzer des Wahlkampfmaskottchens Zottel, belegt den ersten Ersatzplatz. Er erzielte bei den Parlamentswahlen 120 230 Stimmen – Matter 120 059.

Schibli hat sich noch nicht entschieden, ob er Kaufmanns Nachfolge antreten will. Er stehe nicht unter Druck und lasse sich nicht drängen, lässt der 61-Jährige vernehmen.

Alfred Heer, Präsident der Zürcher SVP, versucht den Eindruck zu vermeiden, die Parteileitung übe Druck auf Schibli aus. Den Wählerwillen gelte es zu respektieren, sagt Heer deshalb. Fügt dann aber doch noch an, dass Schibli bereits 62 Jahre alt sei. Und noch etwas maliziöser: «Schibli kennt die Situation.»