Sexismus

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Es kann bis zur Kündigung kommen

Belästigung am Arbeitsplatz

Belästigung am Arbeitsplatz

Arbeitgeber sind in der Pflicht, ihre Angestellten zu schützen. Sie informieren ihre neu eintretenden Mitarbeiter mit Unterlagen. Doch reicht das aus?

Sexuelle Belästigung komme in der Schweiz ständig vor, halten verschiedene Politikerinnen auf Anfrage fest. Eine gesamtschweizerische Erhebung (2008) zum Thema ergab, dass sexuelle Belästigung nicht nur auf der Strasse oder an der Bar alltäglich ist, sondern auch am Arbeitsplatz: 28 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer gaben an, dass sie sich im Verlauf ihres Berufslebens sexuell belästigt oder durch entsprechendes Verhalten gestört gefühlt haben.

Die Umfrage im Auftrag des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) und des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigt, dass Frauen und Männer während der Arbeitszeit mit anzüglichen, abwertenden Sprüchen, Witzen und Anspielungen konfrontiert sind. Frauen berichten zudem von taxierenden Blicken und unerwünschten Berührungen, Männer erwähnen Telefonate, Briefe oder Mails mit abwertendem oder sexuellem Inhalt, obszöne Gesten sowie pornografisches Material.

Dabei müsste der Arbeitsplatz diesbezüglich eigentlich ein geschützter Raum sein: Das Schweizer Recht verbietet nämlich sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Verschiedene Rechtserlasse (Personalgesetz, Arbeitsgesetz, Gleichstellungsgesetz, Strafgesetzbuch) ergeben die Verpflichtung für die Arbeitgeberseite, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Diskriminierungen am Arbeitsplatz zu schützen und ihre Würde zu wahren. Wie das Seco auf seiner Website schreibt, sind mit dem Begriff «Arbeitsplatz» auch Betriebsanlässe gemeint.

Fristlose Kündigung möglich

Seit 2008 gibt das Seco gemeinsam mit dem EBG Impulse zur Prävention sexueller Belästigung am Arbeitsplatz heraus. Auf Anfrage nennt EBG-Direktorin Sylvie Durrer die wichtigsten Massnahmen, die Arbeitgebende treffen sollen, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor der Gefahr sexueller Belästigung zu schützen: Das Unternehmen soll in einer Grundsatzerklärung festhalten, dass es sexuelle Belästigung nicht toleriert und Mitarbeitenden eine Information abgeben, was darunter zu verstehen ist. Weiter soll es festlegen und bekannt machen, wie im Falle von sexueller Belästigung vorzugehen ist, und schliesslich sollen Mitarbeitende über Sanktionen informiert werden, die für Personen vorgesehen sind, welche erwiesenermassen sexuelle Belästigungen begehen. Sanktionen können bis zur fristlosen Entlassung reichen.

Mehrere angefragte Unternehmen und Verwaltungen gaben an, neu eintretenden Mitarbeitenden Unterlagen zum Thema sexuelle Belästigung auszuhändigen. Kleinere Unternehmen begnügen sich häufig damit. Heidi Mathis, Personalverantwortliche beim Innerschweizer Guetzli- und Gebäckfabrikanten Hug, sagt: «Die Firma ist mit rund 240 Mitarbeitenden überschaubar. Wenn so ein Thema auftaucht, kommen die Mitarbeitenden sofort zu mir.» Andere Arbeitgeber, etwa der Kanton Aargau, thematisieren sexuelle Belästigung auch im Rahmen von Führungsschulungen.

Grosse Unternehmen wie Novartis konfrontieren sämtliche Mitarbeitenden regelmässig damit: Wie die Medienstelle in Basel auf Anfrage schreibt, gebe es immer wieder Sensibilisierungskampagnen, etwa über interne Medien. In regelmässig wiederkehrenden E-Learnings werde zudem das richtige Verhalten am Arbeitsplatz immer wieder geschult.

Für Sylvie Durrer vom EBG bestehen Lücken denn auch vorwiegend bei kleinen und mittleren Unternehmen: «Das EBG empfiehlt den KMU, externe Ansprechstellen zu bezeichnen und unterstützt sie auf der Suche nach solchen Stellen.»

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