Verbotene Liebe
Sex unter der Soutane

Priester liebt Frau, Frau liebt Priester: Was nach romantischer Liebe und heimlicher Leidenschaft tönt, ist in der Realität meist zermürbend. Das Nachsehen hat in jedem Fall die Frau.

Claudia Landolt
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Priesterliebe

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Keystone

Das hat der Fall Kappel gezeigt. Dort unterhielt der nigerianische Priester Paul Okeke mit der damaligen Sekretaärin der katholischen Kirche von Kappel SO eine intime Beziehung. Neun Monate Leidenschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit - bis Susanne R., die noch verheiratet ist und zwei Buben hat, die Heimlichkeiten nicht mehr aushält. Sie beichtet es ihrem Mann, der wiederum zeigt Grösse und verzeiht ihr. Schliesslich macht sie ihre Liebe öffentlich und gesteht ihr Verhältnis dem Kirchgemeinderat, wo sie eine Beichte ablegt. Was bekommt sie dafür?

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Für ihre Offenheit bezahlt sie einen hohen Preis. Nicht nur verliert sie ihren Job, sondern auch ihren Ruf. Mit ihrem mutigen Auftritt im «Blick» ist sie in dem kleinen Dorf bald das Tratschthema Nummer Eins. Paul Okeke aber darf weiter von der Kanzel predigen - zumindest vorläufig. Für den Donnerstagabend hat Bischof Felix Gmür mit Paul Okeke eine Aussprache angekündigt. Ob er Okeke von dessen Priesteramt abzieht, ist fraglich. Noch fraglicher, ob dieser von sich aus demissionieren wird. Okeke reagiert, wie so viele es vor ihm schon getan haben: Er verneint die Beziehung zur Kirchen-Sekretärin und tut die Affäre als Ausrutscher ab. Und weg ist sie, die Würde dieser Frau, die sich erhlich verliebt hat.

Zermürbender Alltag

Anders als in Film und Fernsehen ist das alltägliche Versteckspiel solcher Paare zwermürbend. Eine unheimlich-heimliche Priesterliebe zwischen Ulrich Rohner und Angelika Keller durchzog die Fernsehserie «Lüthi und Blanc». In ihrem Kinoerstling «Zornige Küsse» liess die Schweizer Regisseurin Judith Kennel die Internatsschülerin Lea den nur allzu willigen Schulkaplan verführen. Und sogar der brillentragende Kommissar vom Dienst, Horst Tappert gab einst als angehender Purpurträger im Fernseh-Rührstück «Der Kardinal» den sünidgen Priester. Mutter aller Melodramen über Lust und Liebe im Schatten des Zölibats aber ist der Klassiker «Die Dornenvögel», der ab 1983 in den heimischen Stuben flimmerte. Wer «Die Dornenvögel« schon einmal gesehen hat, vergisst die Geschichte nicht: Der irische Geistliche Ralph de Bricassart (Richard Chamberlain, der Schauspieler bekannte sich erst Jahre später zu seiner Homosexualität) lernt auf einer Schaffarm in Australien die kleine Meggie kennen. Eine schicksalshafte Begegnung. Viele Jahre später werden die beiden ein Liebespaar. Aber ihr Glück währt nur kurz. Denn Ralph erkennt, dass er Gott mehr liebt als Meggie.

Mit offen gelebter Sexualität gegen das Zölibat verstossen, das laut Kirchenrecht von seinen Klerikern «vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelsreiches willen» verlangt, das ist auch heute noch etwas, wozu die wenigsten Priester fähig sind. Selbst der ehemalige Bischof Vogel wagte es selbst nach seiner Vaterschaftsanerkennung nicht, auch nur ein Wort gegen das Pflichtzölibat zu sagen.

Denn wer möchte schon den Reiz des Verbotenen leugnen?

Zwar wird den Jungpriestern gesagt: «Wenn ihr die Soutane anzieht, schützt ihr euch gegen die Frauen.» Doch Hans Wacker, ein ehemaliger Ordensmann aus Deutschland, musste 64 Jahre warten, bis er sich entschloss, zu seiner Schweizer Geliebten zu ziehen. Meist sind es - wie im Falle von Kappel - die Frauen, die unter dem Druck des Leidens die Situation klären wollen. Dem Orden selbst ist die Beziehung zwischen zwei Liebenden meist bekannt; das Vorspiel in der Krypta wird toleriert, solang keiner der Beteiligten offen dazu steht.

Legen Priester ihr Amt wegen Beziehungen zu Frauen nieder, sorgt das für Aufregung. Besonders Hansjörg Vogel, Bischof von Basel, der sein Amt 1995 wegen einer Vaterschaft niederlegte, und Hans Erni, Pfarrer in Biel, der aus dem gleichen Grund im Jahr 2000 sein Amt aufgab, lancierten eine öffentliche Diskussion um das Zölibat. Aufsehen erregte auch eine vom Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen (ZöFra) im Frühling 2003 veröffentlichte Statistik. Der ZöFra hat laut dieser Statistik in zehn Jahren 310 Frauen beraten, die in heimlichen Beziehungen zu Priestern lebten oder leben, in denen 146 Kinder geboren wurden. Bereits heute dürften es deutlich mehr sein. Und auch die Mehrheit der Ordensleute, die den Papst um die Aufhebung ihres Gelübdes ersuchen, wollen heiraten. Nicht allen Mitbrüdern vermögen also ihr Dasein auf Weihrauch, Schweigen und Gebet zu reduzieren, und sehnen sich nach Liebe, Lust und Ehe.

Vor mehr als einem halben Jahrhundert schon behauptete der Philosoph Walter Schubart in seinem Buch «Religion und Eros», die Religion und das Geschlechtliche seien «die beiden stärksten Lebensmächte». Und: «Wer sie für ursprüngliche Widersacher hält, lehrt die ewige Zwiespältigkeit der Seele. Wer sie zu unversöhnlichen Feinden macht, zerreisst das menschliche Herz.»