Strafvollzug
Sex- und Gewaltverbrechen: Kantone packen Risikotäter härter an

Sexual- und Gewaltstraftäter sollen künftig in A-, B- oder C-Fälle eingestuft werden. C-Fälle sind die gefährlichsten – bei ihnen wird im Strafvollzug die Schraube angezogen, wie die „Schweiz am Sonntag“ berichtet.

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Insasse Strafvollzug Zelle Gefängnis

Insasse Strafvollzug Zelle Gefängnis

Keystone

Grundlage für die Einstufung ist ein neues Instrument, welches das Zürcher Amt für Justizvollzug entwickelt hat, um das Rückfallrisiko von Straftätern einzuschätzen. Risikoorientierter Sanktionenvollzug, kurz ROS, heisst das Verfahren. Zusammen mit den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Luzern testete das Amt in den vergangenen drei Jahren ROS.

Jeden Sexual- und Gewaltstraftäter haben die Vollzugsbeamten bei Strafantritt genau unter die Lupe genommen und nach A-, B- oder C-Fall kategorisiert. Geht es beispielsweise um Freigang oder Urlaub steht ein C-Täter unter besonderem Fokus.

Ein Bericht im Auftrag des Bundesamtes für Justiz (BJ) zeigt jetzt laut „Schweiz am Sonntag“: Das Triage-Instrument erweist sich als treffsicher. Eine Arbeitsgruppe um Christian Schwarzenegger vom Kriminologischen Institut der Universität Zürich wertete die Akten von 621 Straftätern aus, die in den Jahren 2004 und 2005 auf freien Fuss kamen.

Gemäss ROS-Triage fielen 48 dieser Täter in die Kategorie C. 36 von ihnen sind bis heute wieder straffällig geworden – das sind 75 Prozent. Deshalb empfiehlt das BJ, dass weitere Kantone ROS anwenden sollten. «Eine Risikoeinschätzung von Tätern ist deutlich besser möglich», sagt Cornelia Rumo Wettstein vom BJ. Auch die Beteiligten sind mit den Resultaten zufrieden.

Der Leiter des Amtes für Justizvollzug Zürich, Thomas Mannhart ist gar überzeugt: «Ein Fall wie derjenige von Marie, die von einem Sexualstraftäter im Hausarrest ermordet worden war, hätte sich mit einer vertieften Risikoanalyse nach ROS erkennen lassen können.» Das sagte er in einem Bulletin des Bundes. Heute stuft jeder Kanton Täter nach eigenen Merkmalen und Massstäben ein. Wie viele Rückfälle dank ROS künftig verhindert werden können, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Denn viele der Täter, die in den Kantonen Zürich, St. Gallen, Thurgau und Luzern im ROS-Modellversuch sind, kommen erst nach und nach auf freien Fuss.

Fest steht aber, dass auch mit der Anwendung von ROS ein Restrisiko bestehen bleibt.