Thun
«Sex-Erpresser» vor Gericht: Staatsanwalt fordert 9 Jahre

Im Prozess gegen den Mann, der sich als Mädchen getarnt im Internet an Buben herangemacht hat, fordert die Staatsanwaltschaft eine 9-jährige Freiheitsstrafe. Diese sei mit einer stationären theraupeutischen Massnahme zu verbinden.

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Der Berner Oberländer nahm im Internet verschiedene Rollen an.

Der Berner Oberländer nahm im Internet verschiedene Rollen an.

Keystone

Der Beschuldigte, ein heute 47-jähriger Berner Oberländer, sei wegen sexueller Nötigung, sexueller Handlungen mit Kindern, Erpressung und Pornografie schuldig zu erklären, sagte Staatsanwältin Carol Bützer am Donnerstag vor dem Gericht in Thun.

Zwar sei der Mann geständig, doch habe er nicht viel mehr zugegeben, als ihm die Polizei ohnehin habe nachweisen können. Grundsätzlich sei in diesem Fall die Therapierbarkeit gegeben, wenn auch gewisse Skepsis aus dem psychiatrischen Gutachten festzustellen sei.

Dieser Fall sei aus verschiedenen Gründen ausserordentlich, sagte die Staatsanwältin weiter. Es gebe eine enorme Zahl von Opfern, allerdings seien nur wenige als Privatkläger aufgetreten.

Viele Opfer hätten den Prozess lieber vermieden und das Ganze totgeschwiegen, führte die Staatsanwältin aus. Den Opfern seien die Geschehnisse primär peinlich gewesen. Die Staatsanwaltschaft nennt in ihrer Anklage über 40 Opfer.

Als "Anita" hatte sich der geständige Berner Oberländer im Internet ausgegeben. Er kam auf Social-Media-Plattformen, vorab Facebook, rasch in Kontakt mit männlichen Jugendlichen.

Der vermeintlichen Anita gelang es, zahlreiche Jugendliche zu überreden, ihr Nacktbilder und -filme von sich zu schicken. Mit diesem Bildmaterial erpresste der hinter dem Pseudonym Anita steckende Angeklagte seine Opfer und nötigte sie zu sexuellen Handlungen mit ihm.

Im Erfinden von Geschichten sei der Beschuldigte Weltklasse gewesen, sagte die Staatsanwältin. Der Berner Oberländer nahm verschiedene Rollen an, um im Internet die Buben zu bedrängen. Er gab sich nicht nur als das junge Mädchen namens "Anita" aus, er schlüpfte auch in die Rolle des Bruders von Anita und in jene einer Freundin Anitas mit Namen "Anna".

Im Internet sei der Beschuldigte bissig, zackig, wortgewandt und äusserst manipulativ aufgetreten, sagte die Staatsanwältin. Es sei schwer zu glauben, dass es die gleiche Person sei, die hier vor Gericht stehe. Diese erscheine vielmehr träge und lethargisch. Entweder habe der Beschuldigte zwei Gesichter oder er spiele gut seine Rolle.