Das beliebteste Produkt der schweizweit 2500 öffentlichen Selecta-Automaten ist das Wasser. Doch es kommt regelmässig vor, dass Pendler und Partyheimkehrer ihren Durst am frühen Morgen nicht stillen können.

65 Prozent der Selecta-Produkte werden zwischen zehn Uhr abends und acht Uhr morgens verkauft. Wenn die Selecta-Mitarbeiter um 5 Uhr in der Früh damit beginnen, die Regale aufzufüllen, stossen sie auf einen durchschnittlichen Leerstand von fünf Prozent.

Seit die Automaten digital überwacht sind, kennt die Selecta AG die Zahlen für jedes Gerät. Deshalb weiss sie, wann der Zeitpunkt zum Nachfüllen ideal wäre: an stark frequentierten Bahnhöfen um 3 oder 4 Uhr morgens. Doch das ist nicht erlaubt.

Selecta hat beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco eine Nacht- und Sonntagsarbeitsbewilligung beantragt. Erfolglos. Den ablehnenden Entscheid zog die Firma mit Sitz in Kirchberg BE vor das Bundesverwaltungsgericht. Erfolglos. Nun erwägt sie einen Weiterzug ans Bundesgericht, wie Manager Thomas Nussbaumer auf Anfrage sagt.

Sicherheitsproblem auf Perron

Die SBB unterstützen die Selecta in ihrem Rechtsstreit. In einem Schreiben argumentieren sie, dass «gewisse Passagen, Perrons sowie Vorfahrten auf den Bahnhöfen während der morgendlichen und abendlichen Stosszeiten an ihre Kapazitätsgrenzen» stossen würden. Die Selecta-Mitarbeiter könnten dann den Pendlern in die Quere kommen. Deshalb wünschen sich die SBB ein Auffüllen ausserhalb dieser Zeitspannen.

Eine ähnliche Ausnahmebewilligung hat die Allgemeine Plakatgesellschaft APG. Sie darf an einigen Bahnhöfen nachts Plakate wechseln lassen, um die Passagiere nicht zu stören. Selecta stellt sich auf den Standpunkt, dass sie folglich dasselbe Recht haben sollte.

Zudem würde die Automaten-Verpflegung ein besonderes Konsumbedürfnis stillen. Dieses ist eine Voraussetzung für eine Ausnahmebewilligung. Ein besonderes Bedürfnis an Werbung sei aus Sicht der Konsumenten hingegen nicht ersichtlich, meint Selecta.

Als weiteres Argument zieht Selecta einen Vergleich zu Tankstellenshops, die nachts geöffnet haben dürfen. Wenn diese ihre Regale die ganze Nacht auffüllen dürften, so müsse dies für einen Selecta-Automaten einmal am frühen Morgen ebenfalls möglich sein.

Gericht und Seco weisen alle Argumente zurück. Für allfällige Sicherheitsprobleme seien die SBB selber verantwortlich. Es sei von den SBB zu erwarten, dass sie die Automaten nicht auf engen Perrons oder Passagen aufstellen würden, sondern an sicherheitsmässig geeigneten Orten.

Der Vergleich mit der APG sei nicht zulässig, da deren Mitarbeiter mit einer Leiter und einem Auto arbeiten müssten. Zudem erkennen die Richter in den abgepackten Produkten im Unterschied etwa zu frischen Backwaren kein besonderes Konsumbedürfnis am frühen Morgen.

Einen Automaten könne man auch nicht wie einen Tankstellenshop ohne Personal einstufen. Die Begründung der Richter ist lapidar: Beim Automaten sei keine Tankstelle vorhanden.

Das Bundesverwaltungsgericht sorgt sich um das Wohl der Angestellten. Nachtarbeit könne zu Gesundheitsproblemen führen. Pendler und Partyheimkehrer könnten ihr Wasser frühmorgens auch woanders besorgen.