General Electric hat die Konsultation mit den Schweizer Gewerkschaften letzte Woche abgeschlossen. Gestern präsentierte der amerikanische Industriekonzern neue Zahlen zu den Stellenstreichungen.

«Der Plan sieht einen möglichen Abbau von höchstens 1 200 Stellen vor», hiess es in einer Mitteilung. Das sind immerhin 200 Arbeitsplätze weniger, als noch Anfang Dezember 2017 angekündigt wurden.

Kahlschlag bei General Electric: 1200 Stellen gestrichen

Kahlschlag bei General Electric

Seit Monaten zitterten die Angestellten. Nun ist klar: der Standort Oberentfelden wird komplett aufgelöst. Dafür wird Birrfeld gestärkt.

Auch die 1200 Stellen dürften nicht die finale Zahl sein. GE spricht von einem «möglichen» Abbau, von «höchstens» 1200 Stellen. Der Verband Angestellte Schweiz, der gestern an einem GE-Informationsanlass teilnahm, erklärt die vagen Formulierungen mit noch laufenden Programmen. «Nun ist bloss die Konsultationsphase abgeschlossen, aber es laufen weiterhin Massnahmen zur Rettung von Stellen», sagt Sprecher Hansjörg Schmid.

John Flannery, CEO von General Electric

«Der Markt für neue Gasturbinen ist weiterhin sehr herausfordernd.»

John Flannery, CEO von General Electric

Hinter der aufsehenerregenden Zahl von 1200 gestrichenen Arbeitsplätzen verbirgt sich viel Bewegung. Rund 500 der betroffenen Mitarbeiter haben GE seit der Bekanntgabe des Stellenabbaus schon verlassen. Nach Angaben von Vertretern der Arbeitnehmer dürften viele von ihnen bei neuen Arbeitgebern untergekommen sein. «Dabei dürfte geholfen haben, dass es der Schweizer Industrie zurzeit wieder besser geht», sagt Sprecher Schmid.

In dieses Bild passt eine Umfrage von Deloitte, die gestern ebenfalls bekannt wurde. «Der Werkplatz Schweiz strotzt vor Optimismus», schrieben die Unternehmensberater. 87 Prozent der Finanzchefs von Schweizer Industriefirmen würden derzeit das Wirtschaftsumfeld in der Schweiz für die nächsten 12 Monate positiv sehen. Das Bundesamt für Statistik vermeldete kürzlich, dass die Industrie die kräftigste Zunahme der Beschäftigung seit 2008 erlebe. Gemäss «Angestelltenverband Schweiz» seien Ingenieure, aber auch Industriearbeiter sehr gefragt.

90 Prozent fanden neue Stelle

Weitere 50 Mitarbeiter von GE werden gemäss Informationen aus dem Umfeld des Konzerns voraussichtlich zu einem neuen Arbeitgeber wechseln können. GE werden einen kleinen Teil des Unternehmens verkaufen können an eine andere Industriefirma, die Mitarbeiter sollen ebenfalls wechseln können. Der Deal sei noch nicht unterschrieben, weshalb keine Namen genannt werden, aber alles befinde sich auf gutem Wege.

683 Mitarbeiter müssen hingegen noch eine neue Stelle finden. Ihr Glück im Unglück ist es immerhin, dass GE ihnen vergleichsweise viel Unterstützung anbietet. Der Sozialplan orientiere sich an jenem der letzten Abbaurunde. Damals fanden gemäss Angaben des Konzerns rund 90 Prozent der Mitarbeiter eine neue Stelle. Von den über 50 Jahre alten Mitarbeitern hätten immerhin 78 Prozent wieder einen Arbeitsplatz gefunden. GE finanziert einen internen Stellen- und Beratungsservice. Einigen Mitarbeitern werden auch Schulungen bezahlt, um Lücken in der Ausbildung zu schliessen.

Den GE-Standort in Oberentfelden AG wird es bald nicht mehr geben, wie die Firma ebenfalls bekannt gab. Dabei handelt es sich nicht um eine Schliessung, sondern um eine Verlegung. Total 50 Stellen werden gestrichen, alle anderen werden nach Birr AG verlagert. Als Ergebnis der Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern investiert GE zudem 40 Millionen in Birr in ein neues Fertigungszentrum.

Erst das Selbstlob, dann der Fall

GE hat nun noch 2800 Mitarbeiter in der Schweiz, Anfang 2016 waren es noch rund 5500. Das volle Ausmass des Abbaus in der Schweiz seit dem Herbst 2015 ist immens. Damals wurde die Energiesparte von der französischen Alstom übernommen und der heutige GE-GEO John Flannery lobte sich selbst. Er sprach von einem «hochgradig strategischen Zukauf» mit «exzellenten langfristige Aussichten».

In der Schweiz bekennt sich der Konzern dennoch zum Standort. Die Bedingungen würden sehr geschätzt, heisst es auch diese Woche wieder. Ein Sprecher sagt: «Die Schweiz bleibt wichtig für GE Power.» Baden werde weiterhin Hauptsitz sein für zwei Geschäftsbereiche. Zusammen mit Birr sei Baden der weltweit drittgrösste Standort von GE Power. «Im Kanton Aargau werden wir zu den fünf grössten privaten Arbeitgebern gehören.»

War's das jetzt?

Die Frage bleibt, ob der Abbau von Arbeitsplätzen nun ein Ende hat. Der Konzern gibt eine unverbindliche Antwort. «Unser Ziel ist es, GE Power so zu positionieren, dass wir im heutigen schwierigen Marktumfeld erfolgreich bleiben», sagt der Sprecher. Man werde die betrieblichen Abläufe laufend prüfen, damit man weiter wachse. Tatsache ist, dass der Markt für Gasturbinen sich längst nicht erholt hat.

Erst Ende Mai gestand CEO Flannery an einer Konferenz ein: «Der Markt für neue Gasturbinen ist weiterhin sehr herausfordernd.» Schnelle Lösungen werde es nicht geben. Zum ersten Quartal 2018 zeigte GE in einer Vortragsfolie, dass der Markt seit 2016 um über einen Drittel eingebrochen ist. Die Nachfrage sei unter Druck, weil in Industriestaaten vermehrt in Energieeffizienz investiert werde und erneuerbare Energien sich verbreiten würden.

Auf Anfrage präzisiert ein GE-Sprecher, in allen Staaten des Ländervereins OECD sei die Nachfrage nach neuen thermischen Gaskraftwerken drastisch gesunken. Die traditionellen Energiemärkte für Gas und Kohle seien rückläufig. Es gebe Überkapazitäten, die Auslastung sei gering, immer mehr Dampfkraftwerke würden ausser Betrieb genommen, die erneuerbaren Energien würden wachsen. «Dadurch ist der Absatz unserer Produkte und Dienstleistungen erheblich zurückgegangen.»