Zuwanderung
Sechs Gründe, warum die Schweiz auch weiterhin so begehrt ist

Auch letztes Jahr sind unter dem Strich erneut fast 80 000 Personen eingewandert. Das war trotz Annahme der Masseneinwanderungsinitiative absehbar.

Stefan Schmid
Drucken
Teilen
Auch im vergangenen Jahr kamen ungefähr 80000 Personen in die Schweiz.

Auch im vergangenen Jahr kamen ungefähr 80000 Personen in die Schweiz.

Keystone

Die Zuwanderung in die Schweiz hält unvermindert an. Dies zeigen die am Donnerstag publizierten Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM) für 2014 (siehe auch gestrige «Nordwestschweiz»). Unter dem Strich sind fast 79 000 Personen eingewandert – einer der höchsten Werte in den letzten 25 Jahren und nur 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Von einer Bremsspur kann somit keine Rede sein. Mittlerweile leben knapp 2 Millionen Ausländer im Land. Deren Anteil steigt auf über 24 Prozent.

Schweiz bleibt hoch attraktiv

Diese jüngsten Zahlen sind angesichts der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 von einigen Politikern mit Erstaunen zur Kenntnis genommen worden. FDP-Präsident Philipp Müller etwa kritisierte umgehend die aus seiner Sicht zu laschen Behörden. Und SVP-Chef Toni Brunner forderte mit Nachdruck eine konsequente und rasche Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative.

Allein: Die Aufregung ist unnötig. Eigentlich war längst absehbar, dass die Zuwanderung 2014 nicht deutlich zurückgehen würde. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Initiative steht erst auf dem Papier. Ein Volksentscheid entfaltet in den seltensten Fällen sofortige Wirkung. Der Zuwanderungsartikel ist zwar in der Verfassung, doch das entsprechende Gesetz dazu gibt es noch nicht. Die Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union ist weiterhin vollumfänglich in Kraft. Wer eine Stelle in der Schweiz hat, kann kommen.
  • Die Krise in vielen europäischen Ländern hält an. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in Nachbarstaaten und in Südeuropa gilt die Schweiz weitherum nach wie vor als Wirtschaftsparadies.
  • Am vergangenen 1. Mai fiel mit der Ventilklausel für osteuropäische Länder die letzte grosse Schranke der Personenfreizügigkeit. Seither dürfen Arbeitskräfte aus acht Staaten ebenso frei einwandern, sofern sie eine Stelle finden. Entsprechend hat die Zuwanderung aus diesen Ländern stark zugenommen.
  • Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch. Die Schweizer Wirtschaft ist auch 2014 real gewachsen. Die Zahl der Arbeitsplätze hat zugenommen. Weiterhin sind viele Betriebe auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Ganze Branchen – etwa die Landwirtschaft, das Gastgewerbe und der Tourismus – würden ohne ausländisches Personal zusammenbrechen.
  • Unternehmen verzichten nicht freiwillig. Die Zahlen zeigen, dass die gut gemeinten Appelle an die Wirtschaft, vor allem Inländer anzustellen, verhallen. Es gibt für Arbeitgeber wenig Anreize, auf die Rekrutierung von Ausländern zu verzichten.
  • Die aufgegleiste Fachkräfteinitiative wirkt erst langfristig. Bis das Potenzial der inländischen Fachkräfte – etwa Frauen oder Senioren – besser ausgeschöpft werden kann, verstreichen Jahre. Diese Massnahmen wirken nie kurzfristig.

Zuwanderung reisst nicht ab

Und wie geht es weiter? Schwer vorhersehbar sind die Auswirkungen der Frankenstärke. Solange sich aber weitere Parameter nicht ändern, ist nicht mit einem starken Einbruch der Zuwanderungszahlen zu rechnen.

Aktuelle Nachrichten