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Sechs Fragen und Antworten zu den steigenden Fallzahlen in der Schweiz

Die Fallzahlen sind aktuell so hoch wie seit Monaten nicht mehr. Heute Donnerstag informieren die Behörden – diese sieben Punkte musst du dazu wissen.

1. Wie haben sich die Fallzahlen entwickelt?

Die am Donnerstag gemeldete Covid-19-Fallzahl von 220 Fällen ist die höchste seit Ende April. Am 23. April waren es 221. Im Gegensatz zu jetzt befand sich die Schweiz damals noch epidemiologisch gesehen in der sogenannten «ausserordentlichen Lage». Geschäfte, Restaurants und Bars waren zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen und es galt ein Versammlungsverbot von Gruppen mit über fünf Personen.

Daten BAG, Grafik: Watson.ch

Daten BAG, Grafik: Watson.ch

2. Was sagen Experten zu den Zahlen?

Anfang Woche äusserte sich Daniel Koch in einem Interview mit bluewin.ch zu den steigenden Fallzahlen. Man befinde sich zwar noch nicht in einer zweiten Welle, aber die Zahl sei definitiv zu hoch.

Weniger deutlich äusserte sich Kochs Nachfolger Stefan Kuster an der Pressekonferenz vor einer Woche. Er ging nicht weiter auf die Fallzahlen ein erklärte aber, dass die Reproduktionszahl von 1,1 auf einen leichten Anstieg hindeute. Man sehe einen Anstieg bei der Hospitalisierung und bei der Positivitätsrate – also beim Verhältnis zwischen den durchgeführten Tests und den positiven Ergebnissen. Diese Positivitätsrate sei aber schwierig zu interpretieren.

3. Wo stecken sich die Menschen an?

Daten zu den Ansteckungsquellen gibt es nur wenige – genaue Zahlen fehlen bis heute. watson hat vergangene Woche Zahlen von fünf Kantonen analysiert. Die meisten Menschen stecken sich in der Freizeit, bei der Arbeit oder bei Auslandsreisen an. Dies sagt auch Rudolf Hauri, Präsident der Kantonsärzte, in einem Interview mit den Zeitungen der CH Media: «Wir stellen tatsächlich eine Zunahme der Übertragungen fest. Sie geschehen in Clubs und bei anderen Freizeitaktivitäten.» Ein guter Teil der Fälle werde durch Reisende verursacht, die sich im Ausland angesteckt hätten. Im Moment seien Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren die Treiber der Epidemie.

Daten vom Contact Tracing im Kanton Bern und Aargau zeigen jedoch, dass beim grössten Teil der Fälle die Ansteckungsquelle tatsächlich unbekannt ist. Am zweitmeisten geschah die Übertragung in der Familie, wie nau.ch berichtet.

4. Welche Rolle spielt die Ferienzeit?

Verlässliche Daten gibt es dazu noch nicht. Zu Beginn der Sommerferien meldete der Kanton Zürich, dass mehrere Person nach einem Aufenthalt in Serbien positiv getestet wurden. Der Kanton reagierte daraufhin mit einer Sensibilisierungskampagne, die auf mögliche Ansteckungen in den Urlaubsregionen aufmerksam machen wollte. Hohe Ansteckungszahlen im Zusammenhang mit Auslandrückkehrenden werden auch aus dem Kanton Bern gemeldet.

Derzeit befinden sich rund 9100 Personen nach einem Aufenthalt in einem Risikoland in Quarantäne.

Die Virologin Isabella Eckerle merkte dazu im watson-Interview an, dass gerade in den Ferien das Social Distancing schwierig sei. «Man geht in den Urlaub, weil man sich ja mit Familie und Freunden treffen will. Kaum jemand fährt ins Ausland, um sich zu isolieren.» Sie rät deshalb, auch in den Ferien daran zu denken, dass das «Virus immer noch da ist». Sonst drohe das Sommerferien-Ende ein «Pulverfass» zu werden.

5. Welche Massnahmen werden jetzt diskutiert?

Einzelne Kantone haben mit weitergehenden Massnahmen, wie etwa einer Maskenpflicht in Einkaufsläden, auf steigende Fallzahlen reagiert. Dies führte dazu, dass es zurzeit einen Flickenteppich an unterschiedlichen Bestimmungen und Regelungen gibt.

Am Donnerstagabend trifft sich der Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz zu eine Meinungsaustausch. Es wird nicht erwartet, dass dann gleich neue Massnahmen folgen werden – dazu hat die GDK gar nicht die Kompetenz. Möglich seien nur «Empfehlungen», wie der Sprecher Tobias Bär am Mittwoch gegenüber watson erklärte.

Die Kantone haben in der föderalistischen Schweiz weitreichende Kompetenzen, um auf steigende Fallzahlen zu reagieren. Dies ist auch der Grund, wieso es vermutlich beim Flickenteppich bleiben wird. Die Fallzahlen steigen in den Kantonen unterschiedlich an. Die Kantonsregierungen sind an das Verhältnismässigkeitsgebot gebunden und werden bei sich kaum schärfere Massnahmen einführen, wenn sie nicht notwendig sind.

6. Wie sieht die Situation in anderen Ländern aus?

Die Schweiz ist nicht das einzige Land, das nach Aufhebung der Einschränkungen, wieder steigende Fallzahlen vermeldet. In Österreich gilt seit Ende Juli eine landesweite Maskenpflicht in Supermärkten. In England wurden Pubs und Restaurants wieder geschlossen, nachdem sie Anfang Juli wiedereröffnet wurden.

Zahlreiche grössere Länder wie USA, in Russland, Indien oder Brasilien melden immer noch hohe Fallzahlen. Weltweit wurden bislang rund 17 Millionen Personen positiv getestet; über 650'000 Todesfälle werden mit einer Infektion in Verbindung gesetzt.

Andere Länder, die im Frühling grössere Mühe mit der Eindämmung der Pandemie hatten, konnten die Fallzahlen stabilisieren. So meldet Italien seit Ende Juni weniger Neuansteckungen als die Schweiz im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. In Schweden sind die Zahlen noch leicht über denjenigen der Schweiz – das skandinavische Land zeigt aber seit Anfang Juli eine Tendenz nach unten.

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