Neonazis
Sebastien N. gerät erneut ins Visier der Behörden

Mit einer internationalen Aktion gehen Ermittler gegen eine Neonazi-Gruppierung vor. Seit dem frühen Mittwochmorgen durchsuchten die Beamten Wohnungen, Geschäftsräume und Gefänginszellen – unter anderem auch diejeinige von Sebastien N.

Dominic Kobelt
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So präsentierte sich die Gruppe Werwolf auf einer Versammlung. Sebastian N. ist der dritte von rechts.

So präsentierte sich die Gruppe Werwolf auf einer Versammlung. Sebastian N. ist der dritte von rechts.

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Wie der «Spiegel» meldet, sollen die sechs Verdächtigen gemeinsam mit noch unbekannten Komplizen ein «Werwolf»-Kommando geplant haben: Abgeleitet von der Werwolf-Taktik der Nazis im Zweiten Weltkrieg, die kurz vor dem Zusammenbruch des NS-Regimes Guerilla-Einheiten in den Kampf schicken wollten.

Ihr Ziel sei es, das politische System der Bundesrepublik Deutschland gewaltsam zu beseitigen, so der Spiegel. Unter anderem hätten die Verdächtigen Bombenanschläge erwogen. Zu Verhaftungen ist es allerdings bislang nicht gekommen.

Schweizer leisten Rechtshilfe

Zudem gebe es Razzien in Gefängniszellen von zwei Beschuldigten in der Schweiz, teilte die deutsche Bundesanwaltschaft in Karlsruhe (Baden-Württemberg) mit. Den Durchsuchungen waren offenbar längere - auch verdeckte - Ermittlungen im Vorfeld vorausgegangen. Festgenommen wurde nach Angaben der obersten deutschen Anklagebehörde niemand. Hingegen berichtete die niederländische Polizei von einer Festnahme im Zuge der Razzia in der Nähe von Den Haag.

Die Deutschen Behörden baten mithilfe eines Rechtshilfegesuches um Schweizer Unterstützung. Wie Staatsanwalt Marcel Strassburger der «Nordwestschweiz» bestätigte, wurden zwei Gefängniszellen und eine Wohnung durchsucht. Ebenfalls bestätigt hat Strassburger, dass es sich bei der einen Gefängniszelle um diejenige des Neonazis Sebastien N. aus Grenchen handelt. Ziel der Durchsuchungen war es, Beweise für mögliche Anschlagspläne und Vorbereitungen zu bekommen.

Sebastien N. sitzt im Gefängnis: Er hat am 5. Mai 2012 im Zürcher Niederdorf einem 26-jährigen Schweizer in die Brust geschossen und ihn schwer verletzt. Offenbar handelte es sich um eine Abrechnung in der rechtsextremen Szene. Die Kantonspolizei Zürich fahndete nach dem flüchtigen Neonazi, der zwei Tage später in Deutschland festgenommen wurde.

Uneinsichtig und gut vernetzt

Samuel Althof, Experte für Extremismus, beschreibt Sebastien N. als gewaltbereit und uneinsichtig. «Er hat eine hohe kriminelle Energie und ein hohes Vernetztungspotenzial - sonst hätte er damals nicht so schnell Unterschlupf in Deutschland gefunden.» Allerdings handle es sich bei den Werwölfen um eine kleine Gruppierung.
Althof gibt aber zu bedenken: «Man muss berücksichtigen, dass niemand verhaftet wurde.

Ausserdem geht es um sechs Personen, es scheint mir fraglich, in diesem Zusammenhang von einem Terror-Netzwerk zu sprechen.» Auch könne er sich schwer vorstellen, dass N. aus dem Gefängnis heraus viel organisiert habe. Viele Dinge seien im Moment noch unklar.

Werwolf ist auch weisser Wolf

Offenbar war N. auch Mitglied in einer weiteren Organisation, die sich «Weisse Wölfe Terrorcrew» (WWT) nennt. In einer Info-Broschüre der linken Organisation «Autonome Presse Gruppe» ist er explizit erwähnt. Die WWT sei erstmals 2008 in Erscheinung getreten und war ursprünglich eine Fangruppierung der rechtsradikalen Band «Weisse Wölfe». Die Organisationsstruktur sei darauf ausgelegt, möglichst undurchschaubar zu sein.

«Bislang bekannt sind Sektion Hannover, Sektion Helvetia (Schweiz), eine Sektion in der Region Wittstock/Dosse und die Sektion Hamburg.» Bei der WWT handle es sich um eine über die Bundesgrenzen hinaus agierende Neonazi-Gruppierung, deren Sektionen teilweise gemeinsam auf Demonstrationen oder Veranstaltungen auftreten, so die «Autonome Presse Gruppe».