Fahrende
Schwierige Suche nach Plätzen: Jetzt sollen Private die Fahrenden beherbergen

Die Suche nach Durchgangsplätzen bleibt trotz Protesten schwierig. Das beweist ein Nein und ein überraschendes Argument aus St. Gallen.

Daniel Fuchs
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Blick auf den Standplatz der Jenischen auf dem Schermenareal in Bern. (Mai 2014)

Blick auf den Standplatz der Jenischen auf dem Schermenareal in Bern. (Mai 2014)

Keystone

Die Proteste der Jenischen in Bern für mehr Stellplätze hallten bis in die Ostschweiz. Gewirkt haben sie dort aber nicht: Die Bürger der St. Galler Gemeinde Thal sagten am Sonntag Nein zu einem Durchgangsplatz für Fahrende. Der Kanton, der trotz kantonalem Konzept noch über keinen einzigen Durchgangsplatz verfügt, steht mit dem Entscheid vor einem Scherbenhaufen. Auch anderswo droht Widerstand, die Eröffnung neuer Durchgangsplätze zu verhindern.

Die Enttäuschung unter den Fahrenden ist gross. Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, versteht das Votum als Nein zu Lebensraum für seine Klientel. Ebenso enttäuscht sind Behördenvertreter von Kanton und Gemeinde, die das «Fuchsloch» als idealen Durchgangsplatz bezeichnet und Planungskosten von bis zu 100'000 Franken verlocht haben.

Fahrende in Thal willkommen

Raphael Graber aber ist zufrieden. Der Präsident der Thaler SVP hatte das Referendum gegen den Durchgangsplatz ergriffen. Graber und andere Initianten betonen, nichts gegen Fahrende zu haben, das Referendum viel mehr aus raumplanerischen Bedenken ergriffen zu haben. Sie wollen Grünflächen statt Wohnwagen auf dem nicht mehr benötigten Armeegelände.

Trotzdem: Vorurteile und Reflexe gegen die Fahrenden sollen in Thal eine gewichtige Rolle gespielt haben. Darüber sind sich Daniel Huber von der Radgenossenschaft, Kantonsplaner Ueli Strauss und der Gemeindepräsident Robert Raths einig. «Alles andere waren vorgeschobene Argumente», tönt es einhellig.

Graber widerspricht vehement und richtet einen Appell an die Eigenverantwortung: «Die Fahrenden sollen sich Grundstücke für Stellplätze selber kaufen.» Von den Bürgern fordert er, dass sie geeignete Privatflächen zur Verfügung stellen mögen. Sein Schwager habe das mit dem Kiesplatz auf dem eigenen Firmengelände getan. «Die Fahrenden bezahlten für Strom und organisierten sich selber. Es war überhaupt kein Problem», erinnert sich Graber.

Stellplätze als private Aufgabe

Bundesrecht und kantonale Konzepte schreiben deutlich mehr Stand- und Durchgangsplätze für die Fahrenden vor. Würde mehr Eigenverantwortung das Problem von alleine lösen? Daniel Huber von der Radgenossenschaft bezweifelt das: «Eigenverantwortung hilft noch lange nicht. Privatplätze taugen vor allem für Spontanhalte.» Das Problem: Besitzer, die Land zur Verfügung stellten, stiessen häufig auf grosse Widerstände aus der Bevölkerung, zum Beispiel der Nachbarn. «Etwa wegen einer Verletzung der Zonenkonformität», wie er sagt.

Auch darin sieht Huber nur ein vorgeschobenes Argument. Ebenso wie im Appell an mehr Eigenverantwortung aus St. Gallen.