Gemeinderat
Schwerzimoos wird Topbauzone

Biberist mit seinen heute knapp 8 000 soll langfristig 10 000 Einwohner zählen. Mit der Ortsplanungsrevision wird bestimmt, wo neue Wohn- oder Gewerbezonen entstehen sollen. Und zwar auch, mit welcher Priorität.

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Schwerzimoos, Biberist

Schwerzimoos, Biberist

Solothurner Zeitung

Anne-Regula Keller

Ziemlich zentral in Biberist gibt es eine grosse Grünfläche, das Gebiet Fällimoos/Grüngen. Dort sollen in den nächsten zehn Jahren gemäss dem Agglomerationsprogramm etwa 100 neue Wohneinheiten entstehen. Doch noch vorher soll am Rand des Siedlungsgebietes gegen Ammannsegg, im Gebiet Schwerzimoos/Rumi, gebaut werden. Dies nahm der Gemeinderat zur Kenntnis im Rahmen des ersten Teils des Raumplanungsberichts zur Gesamtrevision der Ortsplanung. Mit dieser ist die Planergemeinschaft Asperger, Städtebau und Raumplanung, Solothurn, und W+H AG, Biberist, im Mai beauftragt worden.

Mitwirkung Mitte 2011

Susanne Asperger erläuterte dem Gemeinderat die Phase 1 der Ortsplanungsrevision, die Gesamtübersicht der Ausgangslage, der dann Bebauungsstudien und Konzepte für Dorfkern, Naherholung, Langsamverkehr und Natur folgen sollen. In der dritten Phase werden dann das Bauzonenreglement und je ein Bauzonen-, Gesamt- und Erschliessungsplan erarbeitet, ehe vor der Vorprüfung durch den Kanton (etwa Mitte 2011) die Mitwirkung erfolgt.

Mehr Vorgaben für Studien um «St. Urs»

Die durch den Brand des «St. Urs» entstandene Lücke in der Kernzone soll wohl überlegt geschlossen werden. Ein Ideenwettbewerb für visionäre Vorschläge für ein Bebauungskonzept erwies sich als zu teuer. Die Bau- und Werkkommission (BWK) schlug vor, für die Arealentwicklung stattdessen fünf Architektur- und Planungsbüros einzuladen, je ein Bebauungskonzept und Studien zum ganzen Dorfkern zu entwerfen. Sie beantragte einen Kredit von 100 000 Franken aus dem Budget der Ortsplanung.
Nachdem der Rat zuvor der Bauverwaltung eine befristete 50-Prozent-Stelle definitiv zugesprochen hatte, verlangte die FdP, etwa 20 Prozent der Arbeiten müssten hausintern erledigt werden. Die SP befürchtete, in etwas zu investieren, das dann nie realisiert werde, während Gemeindepräsident Martin Blaser meinte: «Wir sollten die Visionen noch nicht einschränken, denn hier planen wir das künftige Gesicht Biberists.» Bereits hätten Investoren signalisiert, bei guten Ideen einzusteigen. Bauverwalter Ueli Sterchi betonte, für 100 000 Franken gebe es ohnehin nur rudimentäre Ideen, aus denen man auswählen oder Ideen mischen könne: «Aber der Rat als Planungsbehörde muss Eckwerte als Vorgaben für die Gestaltungsplanung erhalten und sich klar werden, was er will, ehe die Investoren bestimmen.» Nach einigem Hin und Her siegte der Rückweisungsantrag von Alex Miescher (FdP): Der Rat fordert für einen neuen Antrag intensivere Gespräche mit den Investoren und klarere Zielsetzungen. Etwa, was nicht infrage kommt. (ark)

Gute Voraussetzungen

Die Revision der Ortsplanung von 2000 erfolgt auf der Basis der übergeordneten Ziele kantonaler Richtplan, Agglomerationsprogramm Solothurn sowie Leitbild und Gefahrenkarte der Gemeinde. Die Gebiete Schöngrün und Schwerzimoos sollen sich als Wohngebiete entwickeln, in der Enge soll gearbeitet werden (Gewerbezone), das Fällimoos mit seiner zentrumsnahen Lage ist als Reservezone noch nicht klar definiert, aber für Wohnen, Dienstleistungen und Erholungsräume vorgesehen.

Allgemein lasse sich sagen, so Asperger, dass das Siedlungsgebiet von Biberist betreffend Wohnformen gut durchmischt sei. Grössere oder kleinere Einfamilienhäuser wechseln in allen Quartieren mit Mehrfamilienhäusern ab. Südlich/östlich der Emme ist das Industriegebiet historisch gewachsen. Völlig von Wohnzonen umschlossen ist das Industriegebiet Mühlemann (Feintool). Das Gewerbe hat sich vor allem an verkehrstechnisch guten Lagen angesiedelt. Der Bauzonenplan ist fein unterteilt. Noch sind in den Wohn- und Kernzonen über 10 Hektaren sowie in der Industrie- und Gewerbezone etwa 5 Hektaren Bauland nicht bebaut. Das Land ist aber bereits weitgehend erschlossen.

«Pläne und Konzepte, auf denen aufgebaut werden kann, die gute Durchmischung, die gute bis sehr gute Verkehrserschliessung mit Vor- und Nachteilen sowie wertvolle Erholungsräume sind sehr gute Voraussetzungen für die weitere Entwicklung Biberists zu einem attraktiven Wohn und Arbeitsort», ist das Fazit der Planerin.

Raumplanerischer Lottosechser

In der Diskussion hielt Urs Zeltner fest, dass der Gemeinderat sich noch nie über die Priorisierung des Schwerzimoos gegenüber dem Fällimoos geäussert habe. «Das stimmt», räumte Bauverwalter Ueli Sterchi ein. «Doch hat sich hier die Situation unverhofft verbessert. Der geplante neue Bahnhof, der Viertelstundentakt des RBS und die bessere Busanbindung machen das angrenzende Schwerzimoos betreffend Verkehr sehr attraktiv. Bisher war hier eine Wohnzonenentwicklung durch die Schiessanlage und einen Landwirtschaftsbetrieb gebremst. Beides entfällt inzwischen. Das Zusammenfallen dieser attraktivierenden Faktoren ist ein raumplanerischer Lottosechser!» betonte er. «Zusammen mit der Alpensicht von den Hanglagen des Schwerzimoos und Rumi aus könnten sie durchaus gute Steuerzahler anlocken.»

Gleich noch ein Lottosechser

Dass mit dem Fällimoos zentral ein so grosses Gebiet in zentraler Lage noch unüberbaut sei, bezeichnete Sterchi als zweiten Lottosechser. «Darum müssen wir uns dort mehr Zeit lassen, um herauszufinden, welchen Zwecken er mit welcher Gestaltung dienen solle.» Ohnehin könne man nicht beide Gebiete einzonen. Der Kanton bewillige kaum 12 000 Einwohner. Es sei aber klar, dass sich nicht abgelegene Gemeinden, sondern Biberist mit guter öV-Erschliessung entwickeln müsse, um die Pendlerströme zu optimieren.

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