Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Spital, haben Schmerzen und möchten das zuständige Pflegepersonal sprechen. Sie drücken den Notrufknopf neben dem Bett, warten und warten – doch es kommt niemand. 

Das erlebten in den vergangenen Tagen sicher einige Patienten. Denn in zahlreichen Schweizer Spitälern streikte ab Punkt 00.01 Uhr am 1. Januar das Patientenrufsystem. Betroffen sind laut watson-Recherchen die Universitätsspitäler Zürich, Basel und das Inselspital Bern, das Luzerner Kantonsspital, das Kantonsspital Aarau, das Zuger Kantonsspital, ein Standort des Freiburger Spitals HFR sowie vereinzelte Abteilungen der Solothurner Spitäler sowie des Kantonsspitals St.Gallen. 

Babyphones im Einsatz

Um die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten, baten einige der genannten Spitäler zusätzliches Personal auf. Mitarbeitende patrouillierten auf den Korridoren, um Bedürfnissen und dringlichen Rufen der Patienten beizukommen. 

In vielen Stationen wurden extra die Türen zu den Patientenzimmern offen gelassen. Das Luzerner Kantonsspital hat das «Dispositiv besondere Lagen» (Notfall-/Krisenmanagement) aktiviert. In einigen Fällen schlugen Patienten in Luzern notgedrungen auch per Babyphone Alarm, wie eine Sprecherin mitteilt. Und an den betroffenen Standorten der Solothurner Spitäler erhielten die Patienten Glocken, um nach den Pflegern und Ärzten zu rufen. 

Die Lokalzeitung «La Côte» berichtet von ähnlichen Fällen in der Romandie, namentlich im Lausanner Universitätsspital CHUV und den Spitälern Nyon, Rolle und Morges. Das Pflegepersonal des CHUV wies die Patienten laut der Zeitung an, sicherheitshalber mehr Zeit im Gang zu verbringen.

Die Krankenhäuser sind in unterschiedlichem Ausmass betroffen. In manchen Abteilungen stieg das ganze Notfallknopf-System aus. Die Patienten konnten also so oft Alarm schlagen, wie sie wollten, niemand bekam es mit. In anderen Fällen gab lediglich die Ton- und Leuchtfunktion in den Korridoren den Geist auf. Via Monitoren in den Stationszimmern konnte das Personal theoretisch weiter sehen, wenn jemand das Notfallsystem betätigte.  

Software-Fehler ist schuld

In gewissen Spitälern ist die Panne inzwischen behoben. Nicht so am Universitätsspital Basel. Sprecher Thomas Pfluger sagte am Donnerstagnachmittag auf Anfrage: «Inzwischen können etwa 80 Prozent der Patienten den Patientenruf wieder verwenden». Auch im Kantonsspital Aarau dauerte die Panne am Donnerstag noch an. 

Schuld ist ein Software-Fehler des Systems, das in einer Vielzahl Spitälern schweizweit im Einsatz ist. Um derartige Vorfälle künftig auszuschliessen, läuft laut mehreren Spitalverantwortlichen derzeit eine detaillierte Untersuchung.

Trotz der brisanten Situation beschwichtigen die Spitäler: Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen, die auf die Störung zurückzuführen waren. Die Patienten seien «zu keiner Zeit gefährdet gewesen».