Sicherheit

Schweizweit erster Studiengang dieser Art: ETH bildet Cyber-Armee aus

Ziel des neuen Studiengang ist es, in den kommenden Jahren möglichst viele Cyber-Spezialisten auszubilden. (Archivbild)

Ziel des neuen Studiengang ist es, in den kommenden Jahren möglichst viele Cyber-Spezialisten auszubilden. (Archivbild)

Um die Schweiz besser vor Hackern zu schützen, führt die ETH einen neuen Studiengang ein – profitieren sollen der Staat und Unternehmen.

Der Bundesrat setzt im Kampf gegen Cyber-Kriminalität auf die renommiertesten Hochschulen des Landes. Spezialisten der ETH Zürich und der ETH Lausanne sollen die Schweiz künftig besser vor Angriffen aus dem Netz schützen. Aus diesem Grund lancieren die beiden Elite-Universitäten im Herbst einen neuen Master-Studiengang, der sich ganz der digitalen Sicherheit widmet.

Ziel ist es, in den kommenden Jahren möglichst viele Cyber-Spezialisten auszubilden. Mit dem Vorhaben betreten die beiden Hochschulen Neuland: Es wird schweizweit der erste universitäre Studiengang dieser Art sein.

Um die Bedeutung des Masters hervorzuheben, traten an der gestrigen Medienkonferenz drei der wichtigsten Bildungsvertreter des Landes vor die Presse: Wirtschaftsminister Guy Parmelin sowie die Präsidenten der beiden ETH Joël Mesot (Zürich) und Martin Vetterli (Lausanne). Sie warnten vor den Gefahren einer immer stärker vernetzten Gesellschaft. Dazu zählten Datendiebstähle, Angriffe auf Infrastruktur-Systeme oder Hacking in grossem Stil. «Eine Person kann aus einem Keller irgendwo auf der Welt grossen Schaden in der Schweiz anrichten», sagte Vetterli.

Hiesige Firmen und Institute waren in den vergangenen Jahren bereits Ziel von Cyber-Angriffen. So versuchten Hacker 2016, den Rüstungsbetrieb Ruag und das Verteidigungsdepartement auszuspionieren. Bundesrat Parmelin sprach damals von Industriespionage. Experten gehen davon aus, dass Russland hinter den Angriffen steckte.

2017 sorgten Attacken auf Spitäler und Altersheime weltweit für Schlagzeilen. Auch Schweizer Kliniken waren betroffen. Die Masche war so effizient wie perfide: Die Hacker legten medizinische Geräte lahm oder sperrten elektronische Patientendaten, um anschliessend Lösegeld zu erpressen. Und mit dem E-Voting steht die nächste grosse Herausforderung vor der Tür.

Andere Länder sind weiter

Schon länger engagiert sich Parmelin deshalb für mehr IT-Spezialisten in der Armee. Bereits 2017 sprach er – damals als Verteidigungsminister – davon, eine Art Cyber-Rekrutenschule einzuführen. Den Nachwuchs dafür bildet ihm nun die ETH aus. Der Studiengang, der an beiden Hochschulen absolviert werden kann, soll einerseits regelmässig neue Spezialisten auf den Markt bringen, andererseits aber auch Systeme entwickeln, um sensitive Daten in der Schweiz zu verwalten.

Doch nicht nur die Armee profitiert von der ETH. «Bald wird jedes Unternehmen ab einer gewissen Grösse einen eigenen Cyber-Security-Manager benötigen», sagte Mark Pauly, Informatikprofessor an der ETH Lausanne. Die Berufschancen der Absolventen seien deshalb hervorragend. Wie viele Studenten im Herbst beginnen, ist offen. Die Anmeldefrist läuft. Rund 50 dürften es werden.

Europa habe einiges aufzuholen, sagte ETH-Zürich-Präsident Mesot. Andere Länder wie die USA oder China seien in Sachen Informatik um Jahre voraus. Am plakativsten brachte es sein Lausanner Gegenpart, Martin Vetterli, auf den Punkt. «Hello NSA? Are you here?», fragte er in den Raum in Anspielung auf die amerikanischen Geheimdienste, die schon in machen Abhörskandal verwickelt waren. Halb scherzhaft, halb ernst ergänzte Vetterli: «Ich bin sicher, sie hören mit.»

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