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„Schweizerische Bürokraten-Bahnen“: Wasserkopf unter Chef Meyer verdoppelt

Seit Andreas Meyer SBB-Chef ist, hat sich die Zentralverwaltung verdoppelt, während an der Kundenfront an Personal gespart wird.

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Die Verwaltung ist unter seiner Führung gewachsen: SBB-Chef Andreas Meyer. (Archiv)

Die Verwaltung ist unter seiner Führung gewachsen: SBB-Chef Andreas Meyer. (Archiv)

Keystone

Die Zahl der Stellen in der Konzernverwaltung sei seit 2007 von 737 auf 1500 angewachsen (Vollzeitstellen), wie die Zeitung "Schweiz am Sonntag" berichtet. Der „Wasserkopf" werde grösser und grösser, monieren Insider, und sprechen von den „Schweizerischen Bürokraten-Bahnen".

Die Zeitung stützt sich auf eine detaillierte Mitarbeiter-Auswertung aufgrund der Finanzberichte. Dazu passt, dass die SBB in Bern-Wankdorf einen neuen Hauptsitz bauen. Kostenpunkt: 160 Millionen Franken. Auch in Zürich Altstetten richten die SBB mit der grossen Kelle an. Stolz wurde an der Eröffnung des neuen SBB-Hochhauses verkündet, 700 Mitarbeiter hätten dort ihr Büro. SBB-Chef Meyer sagt in der „Schweiz am Sonntag" zur Personal-Explosion in der zentralen Verwaltung: «Wir haben unter anderem Dienstleistungszentren im Personal- und Finanzbereich gegründet, sogenannte Shared Service Center. Die entsprechenden Funktionen sind aus dem ganzen Konzern zusammengenommen worden. Das ist industrieüblich und bewirkt durch mehr Fokus bessere Qualität.»

Zudem seien neue Stellen etwa in der IT nötig: «Im Bereich der Informationstechnologie, wo wir die Kräfte auch konzentriert haben, entstehen natürlich auch neue Berufsbilder, welche immer wichtiger werden.» Insgesamt, prognostiziert Meyer, werde «über die Jahre der Overhead in Relation zu den Produktiven sinken». Noch geht es aufwärts. Und zur Bürokratie gehört längst nicht nur der Konzernbereich. Die Vorgesetzten des Zugspersonals (Oberzugführer) etwa sind kaum mehr in den Zügen anzutreffen, es sei denn zum Pendeln. Sie verrichten Büroarbeiten. Entsprechend ungeführt sind die Kondukteure: «Sie können machen, was sie wollen», heisst es. Nicht nur die Verwaltung, auch der gesamte Personalbestand der SBB ist nach jahrelangem Rückgang wieder am Wachsen. Und laut Meyer wird dies auch in den nächsten Jahren der Fall sein. Erstmals seit der Umwandlung in eine AG im Jahr 1999 beschäftigen die SBB jetzt wieder über 30 000 Vollzeitangestellte. (SaS)