Schweizer Vorgehen erntet Kritik

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weisses haus

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Die USA pochen auf die Auslieferung Roman Polanskis und stossen sich an der Freilassung letzten Montags.

Am Montag dauerte es eine ganze Weile, bis sich die Amerikaner zu Wort meldeten - als seien sie vom Schweizer Entscheid, Roman Polanski nicht in die USA auszuliefern, auf dem falschen Fuss erwischt worden. Dann allerdings schwoll ein massiver Chor der Kritiker an. Hauptvorwurf: Die Schweiz habe sich mit ihrem Entscheid angemasst, Richter zu spielen.

Ungewöhnlich daran: Auch die Regierung in Washington, im Auslieferungsverfahren nur eine Drehscheibe zwischen dem Bezirksstaatsanwalt in Los Angeles und dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), erteilte Bern eine Rüge. «Ein 13 Jahre altes Mädchen wurde mit Drogen vollgestopft und dann durch einen Erwachsenen vergewaltigt.

Das ist keine Formsache», ätzte der Sprecher des Aussenministeriums, Philip Crowley. Letzteres ist eine Anspielung auf einen der Gründe, die gemäss Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf einer Auslieferung von Polanski im Wege standen. Crowley wollte auch nicht ausschliessen, dass die Affäre einen Schatten auf die zwischenstaatlichen Beziehungen werfe. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, sagte er sinngemäss, und Washington sei «enttäuscht» über die Schweiz.

US-Presse reagiert empört

Solche Worte waren auch aus dem Justizministerium zu hören. Eine Sprecherin zeigte sich «sehr enttäuscht» über den Schweizer Entscheid - für den sie übrigens fälschlicherweise den Bundesrat verantwortlich machte. Aus Medienberichten ging hervor, dass das Justizministerium nun nach einer neuen Lösung sucht, um Polanski habhaft zu werden.

Auch in der Presse meldeten sich die Kritiker zu Wort. «Empörend», nannte der links-liberale Kolumnist Eugene Robinson in der «Washington Post» den Entscheid des EJPD. Daneben meldeten sich die Kommentatoren zu Wort, die ihren Beitrag «Travestie in der Schweiz» überschrieben. «Vielleicht ist die Justiz in der Schweiz nicht verärgert, wenn ein Krimineller flüchtet, bevor er abgeurteilt wird», hiess es im Meinungsbeitrag.

In der «Los Angeles Times» meldete sich derweil der bekannte Kolumnist Steve Lopez zu Wort. Er brachte seine Kritik in zwei Sätzen auf den Punkt: «Der Fall Polanski dreht sich um Vergewaltigung, nicht um juristisches Gezänk. Wir sollten dies nicht vergessen.»

Nun kann diese Kritik als moralinsauer abgetan werden, wie dies in der Schweiz häufig der Fall ist. Die Verteidiger von Roman Polanski erwähnen in diesem Zusammenhang auch gerne, dass das Verfahren gegen den Regisseur in den späten Siebzigerjahren rechtlich fragwürdig ablief.

Das Opfer zeigt sich erfreut

Offizielle Stellen in den USA wischen diese Einwände nicht vom Tisch. Sie sagen aber: Alle Fragen hätten geklärt werden können, wenn sich Polanski in Los Angeles erneut vor Gericht verantwortet hätte. Oder, wie es die «Times» formulierte: «Die angemessene Rolle der Schweiz wäre es gewesen, sich nicht den Kopf über die Strafbemessung zu zerbrechen, sondern einen Justizflüchtling zu retournieren.»

Nach der Freilassung hält sich Polanski an unbekanntem Ort auf. Derweil zeigte sich Samantha Geimer erfreut über seine Freilassung. Sie war von ihm 1977 als 13-Jährige sexuell missbraucht worden.

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