Fotoshootings
Schweizer Tierschutz zeigt Halter der Matterhorn-Bernhardiner an

In Zermatt lassen sich Touristen mit Bernardinern vor dem Matterhorn ablichten - für Erinnerungsfotos. Der Tierschutz kritisiert die Haltung der Vorzeigehunde. Er hat nun auch noch eine Strafanzeige eingereicht.

Rinaldo Tibolla
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Schön idyllisch vor dem Matterhorn, aber die Bernhardiner leiden. (Archiv)

Schön idyllisch vor dem Matterhorn, aber die Bernhardiner leiden. (Archiv)

Keystone

Verliert Zermatt eine seiner Touristenattraktionen – die Bernhardiner-Models? Der Druck auf die Firmen, welche den Touristen auf dem Gornergrat Erinnerungsfotos mit Bernhardinern vor dem Matterhorn anbieten, wächst. Unter dem Titel «Eine Schande für Zermatt» hatte der Schweizer Tierschutz (STS) diese Woche über die «erbärmlichen, tierschutzwidrigen Umstände» einiger Hunde informiert.

Gleichentags berichtete der «Blick» vom «elenden Alltag der treuherzigen Riesen» – auch unter Berufung des STS. Die Bernhardiner sollen in einer Bruchbude am Waldrand, ohne fliessend Wasser, hausen. «Überall Kot und Urin im 30 Quadratmeter kleinen Gehege», schrieb die Zeitung.

Für die Fotoshootings seien die Tiere vier bis sechs Stunden im Einsatz. Wegen Sonne und Lichtreflexion würden bei den Bernhardinern regelmässig tränende und entzündende Augen beobachtet. Am Schluss des Artikels kommen die Halter kurz zu Wort. Man verstosse in keiner Weise gegen das Gesetz, sagten sie.

Kritik, Kritik und nochmals Kritik

Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Die Kommentarspalte im Internet wuchs im Sekundentakt, auf der Kommentarseite am nächsten Tag hagelte es Kritik: an den Haltern, am Veterinäramt, an der Tourismusregion. Es wird bekannt, dass der STS Strafanzeige eingereicht hat.

«Wir beobachten die Haltung der Tiere in Zermatt seit 1998. Seit dieser Zeit sind wir mit Klagen und Beschwerden über die Zustände bei den Zermatter Bernhardinern konfrontiert. Das muss jetzt ein Ende haben», wird STS-Tierärztin Julika Fitzi im «Walliser Bote» zitiert.

In der Anzeige wird den Hundehaltern vorgeworfen, die Tiere nicht artgerecht zu halten. Es fehle an Auslauf, Rückzugsmöglichkeiten und Sozialkontakten mit anderen Tieren und Menschen.

Auch die angezeigten Hundehalter kamen wieder zu Wort und verwiesen auf die Kontrollen von Polizei und Veterinäramt. Sie versicherten, dass «alles tipptopp stimmt». Schliesslich begrüsste auch der Walliser Kantonstierarzt das Vorgehen des STS, weil die Justiz «endlich» klären könne, ob die Hunde-Haltung gegen geltende Gesetze verstosse.

«Missbrauch der Marke Zermatt»

Die Gemeinde Zermatt befasst sich schon länger mit den Foto-Bernhardinern. Seit Wochen und in Massen würden Mails von besorgten Tierliebhabern eintreffen, schildert Gemeindepräsident Christoph Bürgin. «Am liebsten wäre mir, dass das Geschäft mit den Bernhardinern gestoppt wird», wird er im «Walliser Boten» zitiert.

Ein Verbot würde aber laut seinen Aussagen nichts nützen, weil eine Einsprache der Foto-Anbieter aufschiebende Wirkung erzielen würde. Er habe deshalb die beiden Foto-Anbieter schon im persönlichen Gespräch zur Aufgabe geraten – mehrmals. Auch habe er bei den Bodenbesitzern nachgefragt, ob sie den Boden nicht mehr zu Verfügung stellen könnten.

Zermatt Tourismus fordert eine rasche Klärung durch die Oberwalliser Staatsanwaltschaft, kritisiert aber den STS, dass er die Marke Zermatt missbrauche, um ein generelles Werbeverbot mit Tieren zu erzwingen.