Bei Lathan Suntharalingam klingelt seit gestern fast ununterbrochen das Telefon. Familienangehörige der gestern von der Bundespolizei verhafteten Tamilen bitten den 36-jährigen Luzerner

SP-Kantonsrat um Rat und Hilfe. «Viele wollen wissen, weshalb ihre Männer, Onkel oder Brüder verhaftet wurden», sagt der Tamile, der seit 12 Jahren den Schweizer Pass besitzt. Doch leider kenne er die Umstände nicht genau und könne ihnen darum nicht viel mehr sagen als die Bundesanwaltschaft.

Doch für den Politiker ist klar: «Die Polizei-Aktion war nicht verhältnismässig». Die verdächtigten Personen würden alle schon lange in der Schweiz wohnen und es hätte auch zu keinem Zeitpunkt  Fluchtgefahr bestanden. «Zudem weiss ich, dass viele in ständigem Kontakt zur Polizei standen.»

«Schadet Integrität der tamilischen Bevölkerung»

Suntharalingam bedauert die Grossrazia auch deshalb, weil sie der Integrität der tamilischen Bevölkerung in der Schweiz schade. «Wahrscheinlich hat die sri-lankische Regierung Druck gemacht, so dass die Schweiz in der Öffentlichkeit ein Zeichen gegen die Bekämpfung der Tigers setzen musste.»

Die Bundesanwaltschaft verneint diese Vermutung: «Es ist nicht ungewöhnlich, solche Polizeiaktionen auch öffentlich zu kommunizieren», sagt die Medienverantwortliche Walburga Bur. Das sei in vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit ebenso geschehen. Laut der Bundesanwaltschaft werden die Festgenommenen derzeit befragt.

Mit in die Untersuchungen sollen allfällige Aussagen von Opfern und Zeugen fliessen, für welche die Bundesanwaltschaft eine Hotline eingerichtet hat. Je nach Ergebnis komme es zu einer oder mehreren Anklagen - oder zu einer Einstellung des Verfahrens.

«In Europa nicht mehr aktiv»

Und was sagt Politiker Suntharalingam zu den Vorwürfen der Bundesstaatsanwaltschaft, dass die Beschuldigten über Jahre in der Schweiz lebende Landsleute zur Unterstützung der Untergrundorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gezwungen haben sollen?

«Wenn die betroffenen Personen gegen die Rechtsstaatlichkeit verstossen haben, ist völlig klar, dass sie die Bundesanwaltschaft zur Rechenschaft ziehen muss.» Er glaube aber nicht daran, dass Geldeintreiber heute noch Druck auf Tamilen in der Schweiz ausüben. «Sei dem Ende des Bürgerkriegs im Mai 2009 ist die LTTE auch in Europa nicht mehr aktiv.»