Parteien

Schweizer Sozis habens besser: Was die SP vor dem Absturz schützt

Patrik Müller
SP-Präsident Christian Levrat feiert das Volks-Nein zur Unternehmenssteuerreform im Februar 2017.

Roter Jubel.

SP-Präsident Christian Levrat feiert das Volks-Nein zur Unternehmenssteuerreform im Februar 2017.

Ob in Bayern, in Frankreich oder Holland: Sozialdemokratische Parteien werden bei Wahlen pulverisiert. Die Schweizer SP aber ist stabil – und wird es bleiben. Eine Einschätzung von Chefredaktor Patrik Müller.

Es ist noch nicht lange her, da schauten Schweizer Sozialdemokraten neidvoll in unsere Nachbarländer und erst recht nach Skandinavien. Dort kamen die Genossen auf Wähleranteile von 35 bis 45 Prozent, bisweilen regierten sie mit absoluter Mehrheit. In der Schweiz oszilliert die SP seit Menschengedenken um die 20 Prozent herum. Inzwischen wirkt dieser Anteil nicht mehr kümmerlich, sondern stolz. Denn anderswo werden die Sozis pulverisiert, hierzulande ist die SP stabil. Warum?
Erstens hat sich die SP frühzeitig gehäutet: Die Arbeiter, die jetzt in Deutschland zur AfD oder zur Linken überlaufen, hat sie längst durch neue Wähler ersetzt – Beamte, Lehrer, Kulturschaffende, Werber und urbane Gutverdienende mit schlechtem Gewissen.
Zweitens ist die SP linker als anderswo in Europa. Das limitierte zwar ihr Wählerpotenzial – verhinderte aber auch, dass ihr von links Konkurrenz erwuchs.
Drittens ist das gesamte Schweizer Parteiensystem ein Sonderfall: Die Zersplitterung blieb aus, einmal abgesehen von BDP und GLP, die aber ihren Zenit womöglich schon überschritten haben. Protestparteien wie Autopartei und Nationale Aktion sind verschwunden, geerbt hat die Traditionspartei SVP.
Die SP Schweiz und unsere Parteienlandschaft insgesamt – sie sind der letzte Hort der Stabilität in Europa. Die Ausschläge bei Wahlen sind minim: In Bayern verloren CSU und SPD je über 10 Prozent, bei uns gelten schon 1,5 Prozent als Erdbeben. Das muss nicht in alle Ewigkeit so bleiben. Zurzeit deutet aber nichts darauf hin, dass wir auf absehbare Zeit europäische Verhältnisse haben werden.

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