Reisen
Schweizer sollen in der Heimat Ferien machen

Die Tourismus-Branche will mit Marketing-Offensive Schweizer von Ferien ins Ausland abhalten. Letztlich wird aber wohl das Preis-Leistungs-Verhältnis über die Reiseziele der Eidgenossen entscheiden, sagen Experten.

Christof Forster
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Der Bundesrat will den Tourismus fördern, damit Schweizer in der Schweiz Ferien machen. Schweiz Tourismus

Der Bundesrat will den Tourismus fördern, damit Schweizer in der Schweiz Ferien machen. Schweiz Tourismus

Am besten könnte der Wettergott dem kriselnden Schweizer Tourismus helfen. Ist es in den Wochen vor den Sommerferien schön und heiss, bleiben die Schweizer eher im eigenen Land. Bei nassem und kühlem Wetter hingegen käme es vermehrt zu Spontanbuchungen Richtung Süden in die Sonne, sagt Daniela Bär von Schweiz Tourismus.

Die Marketingorganisation möchte die Liebe der Schweizer zu ihrem Land stärken – und hofft dabei auf zusätzliche Millionen vom Bund. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, wie Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gestern durchblicken liess.

Der Bundesrat erwägt, die Tourismusbranche wie bereits während der Finanzkrise mit Sonderzahlungen zu stützen. Entschieden ist noch nichts. Damals gab es 12 Millionen Franken, welche die privaten Tourismusanbieter mit 3 Millionen ergänzten. Regulär erhält Schweiz Tourismus jedes Jahr 48 Millionen Franken an Steuergeldern.

Doppeltes Leiden

Doch sind diese Millionen nicht einfach aus dem Hotelfenster geworfenes Geld? Nein, sagt Bär. Die Schweizer Gastgeber leiden – im Unterschied zu den Exporteuren – gleich doppelt. Zum einen ist die hochpreisige Schweiz wegen der Frankenstärke noch teurer geworden; zum andern werden für Schweizer Reisen ins Euroland und in die USA zum Schnäppchen.

Wenn aber die Schweizer fehlen, fällt das ins Gewicht, weil rund 40 Prozent aller Übernachtungen von Schweizer Gästen gebucht werden.

Deshalb würde Schweiz Tourismus die zusätzlichen Millionen hauptsächlich in die Werbung im Inland stecken. Die 15 Millionen Franken des letzten Impulsprogrammes haben laut Bär rund 1,4 Millionen zusätzliche Logiernächte (+4%) und 378 Millionen Franken Mehrumsatz generiert.

Diese Zahlen wurden anhand des Rücklaufs auf Leserreisen- oder Postkarten-Aktionen geschätzt. Beispielsweise gab es bei drei gebuchten Übernachtungen eine geschenkt.

Es gibt auch gute Nachrichten

Die Leute vor Ort würden eine Marketing-Offensive begrüssen. «Es ist sicher nicht das Dümmste, Schweizer von Reisen ins Ausland abzuhalten», sagt Gaudenz Thoma, Direktor von Graubünden Ferien. Er warnt aber vor zu viel Optimismus: «Wir dürfen nicht blauäugig sein. Letztlich entscheidet das Preis-Leistungs-Verhältnis.» Das weiss man auch bei Schweiz Tourismus. Bär: «Die Schweiz war noch nie ein Billigferienland, das sich über den Preis definiert hat.»

Trotz Krisenstimmung ist nicht alles Schwarz im Tourismusland Schweiz. «Wir sind sehr, sehr zufrieden mit der aktuellen Lage in Graubünden», sagt Thoma. Die Nachfrage aus Asien und dem Dollarraum sei überproportional gut und würde die fehlenden Gäste aus der Eurozone teilweise kompensieren, erklärt Mario Lütolf, Direktor beim Schweizerischen Tourismus-Verband.

Verstärktes Augenmerk legen die Touristiker auf die Wachstumsmärkte China, Russland, Indien und Brasilien, die nicht von der Frankenstärke betroffen sind. Falls der Bundesrat die Gelder bewilligt, würde Schweiz Tourismus den Aussenposten in Brasilien früher als geplant eröffnen.

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