Stellen Sie es sich vor: Sie haben ihr Leben lang gekrampft, etwas Geld auf die Seite gelegt und gönnen sich den Lebensabend in einem sonnigen Land in Zentralamerika. Dummerweise waren Sie zuletzt in einem Kanton angemeldet, der seinen Bürgern nicht erlaubt, die Stimme auf elektronischem Weg abzugeben.

Wenn Sie Pech haben, trifft Ihr Antwortcouvert zu spät bei der Gemeinde ein. Bei den eidgenössischen Wahlen 2015 darf zwar zum ersten Mal eine Mehrheit der Auslandschweizer per E-Voting abstimmen. Viele Kantone verweigern dies, aus teilweise unerfindlichen Gründen, ihren Bürgern aber weiterhin.

Eine Ausweitung des E-Votings auf «Inlandschweizer» ist ein grösserer Schritt. Vor allem im Bereich der Sicherheit sind die Bedenken gross. Kann ein gewiefter Hacker künftig Abstimmungsresultate kippen? Der Bund muss alles unternehmen, damit solche Ängste unbegründet bleiben.

Dann ist die Einführung von E-Votings für alle Schweizer Stimmbürger zu begrüssen. Der Lauf der Zeit macht auch vor Abstimmungen und Wahlen nicht halt. Wer jetzt erwachsen wird, hat das Internet sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Wenn in der virtuellen Welt problemlos Bankzahlungen getätigt werden können, muss auch die Übermittlung eines «Ja» oder «Nein» auf sichere Weise möglich sein. Dann hätten Junge für ihre Stimmfaulheit auch einen Grund weniger – denn E-Voting funktioniert auch am Sonntagmorgen nach dem Ausgang bequem vom Bett aus.