Roboter
Schweizer Roboter kommt bei Mars-Expedition zum Einsatz

Nicola Tomatis ist Entwickler aus Leidenschaft. Seine neusten Roboter werden bald auf eine Mars-Expedition geschickt. Darunter ein Kaffeeservice, das bis zu 150 Tassen Kaffee pro Tag ausschenken kann.

Richard E. Schneider
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Mit einem kleinen Mitarbeiter-Team von BlueBotics AG, einem Spin-off der Ecole Polytechnique Fédérale Lausanne (EPFL), kreiert Firmengründer Nicola Tomatis seit rund zehn Jahren Roboter für die unterschiedlichsten Anwendungen. Besonders stolz ist der frühere EPFL-Student auf den neuen, voll automatisierten Mars Rover, den er im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) baute und der im Jahr 2016 auf die Reise zum Mars geschickt werden soll.

Niedrige Akzeptanz von Robotern

Roboter gehören zum Alltagsbild einer modernen Industriegesellschaft. Sie übernehmen Aufgaben in einer für den Menschen gesundheitlich bedenklichen Umwelt oder auch am Fliessband. Dennoch ist

Nicola Tomatis. HO

Nicola Tomatis. HO

Solothurner Zeitung

Weltweit die meisten Roboter gibt es in USA, gefolgt von Japan. Tomatis kennt sich aus: Er lässt kaum einen internationalen Kongress aus, auf dem neue Roboter-Anwendungen vorgestellt werden. Inzwischen konzentriert sich sein Team von BlueBotics auf drei grosse Betätigungsfelder: Industrie-, Weltraum- und Service-Roboter.

13000 Stunden auf den Beinen

Seine allerersten Roboter-Anfertigungen standen zur Schweizer Landesausstellung 2002 in Neuenburg parat. Insgesamt 11 RoboX versorgten fragende Besucher mit den gewünschten Informationen, waren hervorragend informiert und insgesamt 13000 Stunden «völlig ermüdungslos auf den Beinen». Selbstverständlich konnten sich die Roboter autonom bewegen und eine Vielzahl unterschiedlichster Informationen dauerhaft einprägen. Man brauchte sie nur zu berühren, um Auskunft zu erhalten. Die Resonanz beim Publikum fiel durchweg positiv aus, und so beschloss Tomatis, der italienischer Herkunft ist, im Jahr 2007 mit einer Roboter-Spezialanfertigung seine Kollegen auf einem internationalen Roboter-Kongress in Rom zu überraschen.

Der Roboter Shrimp passt seine Struktur dem Terrain an. HO

Der Roboter Shrimp passt seine Struktur dem Terrain an. HO

Solothurner Zeitung

Tomatis stellte testweise auch Menüs für Mittagessen zusammen. Inzwischen sind seine Roboter unter anderem in Lagerhallen im Einsatz, wo sie selbstständig Mischungen oder Mengen zum Beispiel von Mehl, Salz oder Kakao in Dosen bis zu 1 Gramm zusammenstellen.

Mars-Mission der ESA

Das Know-how der BlueBotics-Experten wurde auch angefragt von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA, European Space Agency). Im Rahmen der im Jahr 2016 geplanten Weltraum-Mission ExoMars, welche vollkommen automatisiert ablaufen wird, lieferte das kleine Lausanner High-Tech-Unternehmen die gesamte Software für den neuen Mars Rover. Dieses Roboter-Fahrzeug wird sich bei seinen Fahrten auf dem Nachbar-Planeten automatisch der Umgebung anpassen, Hindernisse selbst erkennen und entsprechend reagieren, das heisst, diese entweder überfahren oder umfahren.

Der gute Ruf, den die Ingenieure von BlueBotics inzwischen besitzen, öffnete auch Türen ins Ausland. Es entstand eine Kooperation mit dem italienischen Gabelstapler-Hersteller Esatroll, in deren Folge ein industriell nutzbarer Gabelstapler entstand, der mit dem patentierten ANT-Navigationssystem von BlueBotics ausgerüstet wurde. Dieses vollautomatische Flurfahrzeug, Paquito genannt, kann sich autonom und sicher mit einer Geschwindigkeit von 1,2 Metern pro Sekund über ein Fabrikgelände bewegen und Paletten bis 1,2 Tonnen Gewicht und 2,2 Meter Höhe transportieren.

«Paquito» im täglichen Einsatz

Die Beladung eines Lastkraftwagens aus dem Lagerbestand zum Beispiel eines Kaufhauses kann somit ohne weiteres Personal erfolgen. Inzwischen ist der vollautomatische Gabelstapler Paquito, der genau weiss, in welchem Regal und in welcher Höhe jedes benötigte Einzelteil sich befindet, bei mehreren italienischen Kunden von BlueBotics im täglichen Einsatz.

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