SCHWEIZER RADIO UND FERNSEHEN
SRF verliert wieder ein Aushängeschild: Kassensturz-Moderator Ueli Schmezer tritt ab

Er prägte das Konsumentenmagazin «Kassensturz». Nun verlässt
Ueli Schmezer das Schweizer Fernsehen – nach 37 Jahren.

Francesco Benini
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Hat im Alter von 60 Jahren gekündigt: Moderator Ueli Schmezer.

Hat im Alter von 60 Jahren gekündigt: Moderator Ueli Schmezer.

Gian Vaitl / SRF

Erneut verlässt ein bekanntes Gesicht das Schweizer Fernsehen: Ueli Schmezer, Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter des «Kassensturzes», tritt Ende Jahr ab. Schmezer arbeitete während 37 Jahren für SRF, davon 25 für das beliebte Konsumentenmagazin.

Auf Anfrage erklärt Schmezer, dass für ihn der Zeitpunkt gekommen sei, um in seinem Arbeitsleben etwas Neues anzufangen. Er ist 60. Befürchtet er nicht, dass er in diesem Alter keine Stelle mehr finden könnte? «Ob man mich zum alten Eisen zählen kann, sollen andere beurteilen», meint er.

Der «Kassensturz» hat sich mit anwaltschaftlichem Journalismus profiliert. Moderator Schmezer nahm in Interviews Vertreter von Unternehmer und Organisationen in die Mangel; ihnen hielt er vor, dass sie Kunden übervorteilt oder in anderer Weise gemauschelt hatten.

Sitzungsleerlauf am Leutschenbach

Mit dem Abgang Schmezers akzentuiert sich ein Problem des Schweizer Fernsehens: Es verliert seine Aushängeschilder. Vor allem in der Sportabteilung kam es in den vergangenen Monaten zu Abgängen bekannter Namen. Sie liessen sich von Konkurrenzsendern abwerben; einige von ihnen zeigen Sportveranstaltungen, an denen zuvor SRF die Übertragungsrechte gehalten hatte.

Das Problem liegt aber tiefer: Unter den Angestellten am Leutschenbach wächst die Unzufriedenheit. Die Geschäftsleitung unter der Führung von Direktorin Nathalie Wappler kündigt Sparprogramme an; es bleibt dann aber unklar, wie sie umgesetzt werden. Die Geschäftsleitung streicht etablierte Programme, ohne dass im digitalen Bereich Gleichwertiges nachkäme. Reorganisationen führen zu zahllosen Sitzungen, die mässig ergiebig sind.

Vor drei Jahren bewarb er sich als Fernsehdirektor

Ueli Schmezer bewarb sich 2018 als Direktor des Schweizer Radios und Fernsehens. Für einen Moderator und stellvertretenden Redaktionsleiter war das ein kühner Schritt. Der Berner kam im Ausscheidungsverfahren denn auch nicht weit. Schmezer begründete seine Kandidatur damit, dass er als Journalist mit langer Berufserfahrung das publizistische Profil des Schweizer Fernsehens schärfen wolle.

Hat Nathalie Wappler, die dann das Rennen um den Direktorenposten machte, das publizistische Profil von SRF geschärft? «Dazu möchte ich nichts sagen», antwortet Schmezer.

Seine Aussichten auf dem Arbeitsmarkt hat der Moderator in den vergangenen vier Jahren mit einem Jurastudium verbessert: Er machte den Bachelor an der Universität Freiburg und dann den Master an der Universität Bern. So kann er sich nun mit 60 Jurist nennen – das Studium der Nationalökonomie hatte er als junger Mann nicht abgeschlossen. Ueli Schmezer richtet sich darauf ein, noch lange zu arbeiten. «Wir werden alle 120», ist er überzeugt.

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