Chemie
Schweizer Nobelpreisträger Dubochet: Der Forscher mit dem wohl witzigsten Lebenslauf

Der Lausanner Forscher Jacques Dubochet hat nach 15-jähriger Durststrecke wieder einen Nobelpreis für die Schweiz errungen. Der 75-Jährige arbeitete ab 1987 als Professor an der Universität Lausanne. In seinem Lebenslauf finden sich mehrere lustige Passagen.

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Kopie von Chemie-Nobelpreis geht an Jacques Dubochet
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Der Lebenslauf von Dubochet: Darin hat er einige witzige Details versteckt.
Erstmals seit 15 Jahren hat mit Dubochet wieder ein Schweizer einen Nobelpreis gewonnen.
Neben Dubochet wurden auch Joachim Frank (Bild) und Richard Henderson ausgezeichnet.
Die drei Gewinner: Dubochet, Frank und Henderson (von links).
Dubochet arbeitet an der Universität Lausanne.
Das Nobelpreiskomitee verkündet die Nobelpreisgewinner am Karolinska-Institut in Stockholm.
Dubochet forscht an der Mikroskoptechnik.

Kopie von Chemie-Nobelpreis geht an Jacques Dubochet

Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Dass hochkarätige Wissenschaftler nicht kompliziert und trocken sein müssen, stellt Jacques Dubochet schon mit seinem offiziellen Lebenslauf (Englisch) unter Beweis. "Von optimistischen Eltern gezeugt", steht da zu seinem Zeugungsjahr 1941.

Weiter gibt er an, schon im Alter von drei Jahren seine wissenschaftliche Karriere angefangen zu haben. Er habe im Waadtland mit "Messern, Nadeln, Schnüren und Zündhölzern" als Instrumenten experimentiert.

Mit 14 Jahren habe er als erster Schüler seiner Region die offizielle Diagnose Dyslexie bekommen - eine Leseschwäche. "Das erlaubte mir, schlecht in allem zu sein, und Leute mit Schwierigkeiten zu verstehen."

1967 schloss er sein Studium als Biologe ab. 1969 begann er, die Elektronen-Mikroskopie zu studieren, die sein Hauptthema blieb. 1970 folgte die Abschlussarbeit in Genf und Basel bei Eduard Kellenberger, der ihm "Biophysik, ethische Verantwortung und nachhaltige Freundschaft" beigebracht habe. Den Nobelpreis erhält er für seine Arbeit zur Kryoelektronenmikroskopie.

Als Hobbys gibt der Vater zweier erwachsener Kinder unter anderem "Berge, Natur, Politik (links)" an. Dubochet ist laut SP-Nationalrat Roger Nordmann Mitglied der Waadtländer SP.

Die Schweizer Nobelpreisträger seit 1901

Jacques Dubochet ist der achte Schweizer Chemie-Nobelpreisträger und - bei grosszügiger Auslegung des Bürgerrechts - der 28. Schweizer, der einen Nobelpreis erhält. Letztmals hatte mit Kurt Wüthrich 2002 ein Schweizer die Auszeichnung erhalten, ebenfalls für Chemie.

Zu den 28 Wissenschaftlern werden auch Doppelbürger und eingebürgerte Ausländer gezählt, die teilweise in der Liste des Nobel-Komitees unter einer anderen Nationalität aufgeführt sind. Neun Mal ausgezeichnet wurden ferner Organisationen mit Sitz in der Schweiz.

Chemie-Nobelpreis

Alfred Werner (Jahr der Verleihung: 1913), Paul Karrer (1937), Leopold Ru¸ička (1939, CH seit 1917), Hermann Staudinger (1953, D/CH seit 1920), Vladimir Prelog, (1975, CH seit 1959), Richard Ernst (1991), Kurt Wüthrich (2002), Jacques Dubochet (2017).

Medizin-Nobelpreis

Theodor Kocher (1909), Paul H. Müller (1948), Walter Rudolf Hess (1949), Taddeusz Reichstein (1950, CH seit 1915 ), Max Theiler (1951, CH/ZA/USA), Daniel Bovet (1957), Werner Arber (1978), Edmond H. Fischer (1992), Rolf M. Zinkernagel (1996).

Physik-Nobelpreis

Charles Edouard Guillaume (1920), Albert Einstein (1921, D/CH/USA) Wolfgang Pauli (1945, A/CH/USA), Felix Bloch (1952, CH/USA), Heinrich Rohrer (1986), Karl Alexander Müller (1987).

Literatur-Nobelpreis

Carl Spitteler (1919), Hermann Hesse (1946, D/CH seit 1924).

Friedensnobelpreis

Henry Dunant (1901), Elie Ducommun und Charles-Gilbert Gobat (1902).

Friedensnobelpreis an Organisationen

Der Friedensnobelpreis ist der einzige, der auch an Institutionen vergeben werden kann. Das in Bern beheimatete Internationale Büro für Frieden erhielt den Friedensnobelpreis im Jahr 1910.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bekam die Auszeichnung gleich drei Mal: 1917, 1944 und 1963, damals zusammen mit der Liga der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.

Von den in Genf beheimateten anderen internationalen Organisationen erhielten das Internationale Nansen-Büro für Flüchtlinge den Friedenspreis 1938, das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) 1954 und 1981, die UNO-Arbeitsorganisation (ILO) 1969 und der Weltklimarat IPCC 2007.

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