Weltweit gibt es rund 1300 Milliardäre, 130 000 Familien mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar sowie über 13,5 Millionen Millionäre. In der Schweiz gehört der Anteil der Reichen zu den höchsten. Für sein gerade erschienenes Buch «Verantwortung und Bewährung – eine vermögenskulturelle Studie» hat Thomas Druyen 18 Millionäre und Multimillionäre in der Schweiz von ihren prägenden Erlebnissen und ihrer alltäglichen Handlungspraxis erzählen lassen.

Diese narrativ dokumentarische Methode legte keine Standardfragen oder Stereotypen zugrunde, denn die implizite Haltung des Erzählenden soll möglichst unverfälscht zutage treten. Druyen überraschten dabei zwei Punkte: die bescheidene Haltung, die der Forscher «wirklich gewachsen und authentisch» erlebte. Und die grosse Bedeutung des Militärs, das verschiedene Milieus zusammenbringt und eine gemeinsame Identität über die Vermögensunterschiede hinweg stifte.

Verantwortung beweisen

Das Militär übt seinen Einfluss demnach nicht wegen der dort geknüpften Verbindungen aus, die der Elite auch im zivilen Leben von Nutzen sind. Vielmehr beschreibt es der für die Studie befragte «Herr Kramberg» so (die echten Namen der Interviewten nennt die Vermögensforschung grundsätzlich nicht): Beim Militär «egalisieren» sich die Schichtunterschiede «relativ schnell» und «die Leistung zählt».

Das Militär wird als neutraler und fairer Raum erlebt, in dem es unabhängig von Herkunft oder Reichtum auf die tatsächlichen Fähigkeiten ankommt. Interessant ist auch, dass die Karriere als Offizier, die von einigen der Interviewten durchlaufen wurde, ihrer eigenen Beschreibung nach nicht dazu dient, um Macht auszuüben. Es gehe vielmehr darum, die «Verantwortungsfähigkeit» unter Beweis zu stellen.

Die erzieherische Bedeutung des Militärdienstes wird durchweg hervorgehoben. Im Militär lerne man auch, so «Herr Behrdorf», die für das Geschäftsleben nötige Beharrlichkeit. Gegenüber Managern, die schon nach wenigen Jahren das Unternehmen wechseln, hegt er dagegen Verachtung.

Möglichst unauffälliger Reichtum

Die evidente Orientierung an der Bescheidenheit ist eine zweite Besonderheit der Interviews. «Der Erwerb dient nicht primär der Befriedigung materieller Bedürfnisse. Vielmehr wird dieser primär als Bewährung verstanden», heisst es in der Studie. Die Interviewten verweisen immer wieder darauf, dass sie sich – zumindest dem Anspruch nach – hinsichtlich ihres Lebensstandards nicht oder kaum vom Durchschnittsbürger der Mittelschicht unterscheiden.

Zum Beispiel «Herr Kramberg»: Er nennt die eigene Haltung zum Vermögen «zwinglianisch». Zum einen meint er damit die Verantwortung, das Geld nicht zu horten, um es sich gut gehen zu lassen, sondern «als Mittel zum Zweck einzusetzen, um etwas zu bewegen». Darunter versteht er, für seine Angestellten zu sorgen. Zum anderen versteht er unter «zwinglianisch», das Vermögen nach aussen unsichtbar zu halten. Das kann bedeuten, dass ein neues Auto nur in der Farbe des alten gekauft wird, damit die Anschaffung weniger auffällt, wie die Mutter von «Herrn Behrdorf» fordert. Gegenbild dazu sind die russischen Oligarchen.

Auch beim Vererben geht es «Herrn Seefeld» mehr um die Haltung, als um den Besitz, den er der zweiten Generation mitgeben will. In seinen Worten ist das die «Entmaterialisierung des Materiellen.»