Zwei Kampfjets der Schweizer Armee düsten am Dienstagmorgen übers Mittelland, um eine israelische Passagiermaschine zu begleiten. Angeblich gab es eine Bombendrohung an Bord. Die Schweizer Luftwaffe sprach von einer "Hot Mission", also einem Ernstfall. Das ganze entpuppte sich später aber als Fehlalarm. 

40 "Hot Missions" pro Jahr

Die Schweizer Luftwaffe hat die Aufgabe, die Lufthoheit zu wahren. Bei ihren Einsätzen unterscheidet sie zwischen Trainingsmissionen, "Live Missions" und "Hot Missions". "Hot Missions" gibt es rund 40 pro Jahr, "Live Missions" rund 350, wie der Kommunikationschef der Luftwaffe, Jürg Nussbaum, der Nachrichtenagentur sda sagte.

"Live Missions" sind Luftpolizeieinsätze, die ausschliesslich Staatsluftfahrzeugen der Schweiz oder Staatsluftfahrzeugen anderer Länder mit einer "Diplomatic Clearance" gelten. Die Zielsetzung dieser Einsätze ist das stichprobenweise Überprüfen der Angaben und allenfalls Einschränkung der "Diplomatic Clearance".

"Hot Missions" sind Luftpolizeieinsätze auf Luftfahrzeuge, welche entweder die Lufthoheit verletzen, die Luftverkehrsregeln missachten oder sich in einem Notfall befinden.

Die Luftwaffe entscheidet über die Durchführung von luftpolizeilichen Massnahmen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) kann bei der Luftwaffe die Durchführung luftpolizeilicher Massnahmen beantragen.

Bombe an Board?

Doch was kann die Schweizer Luftwaffe überhaupt tun, wenn sich eine Bombe an Board eines anderen Flugzeugs befindet? Nationalrat Thomas Hurter, früherer Kampfjet- und heutiger Swiss-Pilot erklärt das Vorgehen gegenüber dem "Tages-Anzeiger": Die Jets würden zum Flugzeug fliegen und über eine internationale Notfrequenz Kontakt aufnehmen. Wenn dies misslingt, versuchen sie über Sichtkontakt zu kommunizieren.

Und weiter sagt Hurter gegenüber dem "Tages-Anzeiger": "Gibt es eine Explosion an Bord der Passagiermaschine, können die Kampfjets dem Linienpiloten wertvolle Informationen liefern, etwa Angaben zu äusseren Beschädigungen." Die Jets könnten ein beschädigtes Flugzeug dann auch per Funk zum nächsten Flughafen lotsen.

Nicht immer bekommt die Bevölkerung von solchen "Hot Missions" etwas mit. Aufhorchen liessen diesmal zwei laute Knalle, hervorgerufen von den Jets, die mit Mach 1 (also Überschall) flogen.

Die "Hot Mission" vom Dienstag lässt einen unweigerlich an den Supergau vor zwei Jahren denken. Der Vorfall von damals sorgte für Spott und Häme und stellte die Schweizer Luftwaffe international in ein schlechtes Licht.

Spott aus der ganzen Welt

Es war der 17. Februar 2014 als ein entführtes äthiopisches Flugzeug auf Genf zusteuerte. In so einem Falle entsendet jedes Land seine Kampfjets in die Nähe des Flugobjekts. Jedes Land? Nicht so die Schweiz. Der Grund: Die Luftwaffe ist nur zu "Bürozeiten" einsatzbereit, wie sie später bekannte. Die Nachrichtenagentur Bloomberg spottete: «Möchten Sie die Schweiz angreifen? Versuchen Sie es vor 8 und nach 17 Uhr.» Tatsächlich wurde das äthiopische Flugzeug von italienischen und französischen Jets abgefangen.

Ab diesem Jahr steht der Luftpolizeidienst der Armee an fünf Tagen zwischen 8 bis 18 Uhr bereit. Noch im vergangenen Jahr war die Luftwaffe lediglich zu Bürozeiten einsatzbereit.

Erhöhung der Bereitschaft

Ab 2017 gilt die Einsatzbereitschaft an sieben Tagen von 8 bis 18 Uhr. Ab 2020 stehen dann rund um die Uhr bewaffnete Einsatzflugzeuge bereit. Bei der Luftwaffe hat der 24-Stunden-Dienst 100 zusätzliche Stellen und jährliche Kosten von 30 Millionen Franken zur Folge.

Bis die Schweizer Luftwaffe den Luftpolizeidienst rund um die Uhr eingerichtet hat, gelten die heutigen Verträge. Demnach hätten die französischen Jets das Flugzeug über Schweizer Territorium begleiten dürfen. Ausgeschlossen wäre aber ein Waffeneinsatz über fremdem Gebiet.

Weil die F/A-18 der Luftwaffe künftig rund um die Uhr innert 15 Minuten aufsteigen sollen, muss eine Strasse zwischen Morens und dem Stützpunkt Payerne aufgehoben werden. Das Verteidigungsdepartement will der Gemeinde Morens die Strasse für 1,3 Millionen Franken abkaufen.

Keine Bürozeit

Das Problem der Bürozeiten war heute keines: Der Vorfall ereignete sich um 8:30 Uhr. Da war die Schweizer Luftwaffe seit einer halben Stunde einsatzbereit.