Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) knüpft sich den US-Konzern Apple vor klagt bei der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) gegen das Mega-Unternehmen. Dies berichtete die Tageszeitung «Blick» am Mittwochmorgen

Der Rechtsstreit drehe sich um die Frage, ob Apple die in neuere iPhones (und iPads) integrierte Funkübertragungs-Technologie NFC für andere (Schweizer) Unternehmen öffnen müsse. Hintergrund sei die kurz bevorstehende Lancierung des Bezahldienstes Apple Pay.

«Die Schweiz darf nicht vor Weltkonzernen wie Apple kuschen», wird SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder vom «Blick» zitiert. Apple sperre für andere Zahlsysteme den Zugriff auf die NFC-Vorrichtung des iPhones. «Das ist unseres Erachtens ein klarer Verstoss gegen das Wettbewerbsrecht.»

Die SKS habe am Dienstag Klage bei der Weko eingereicht, heisst es. Dazu Sara Stalder: «Da mit dem Verhalten von Apple ein krasser Fall unzulässigen Verhaltens eines marktbeherrschenden Unternehmens zu befürchten ist, kann sich die Wettbewerbskommission nicht um die Eröffnung eines Verfahrens drücken.»

Weko will abwarten

Die Weko will laut «Blick» zuerst die Lancierung von Apple Pay beobachten. Apple wollte keine Stellung nehmen.

Wie der iPhone-Hersteller angesichts eines Marktanteils von rund 50 Prozent in der Schweiz «marktbeherrschend» sein soll, ist nicht klar.

Wir haben die Konsumentenschützerin Sara Stalder um eine kurze Stellungnahme gebeten. Ihre Antwort per E-Mail: 

Der «Sonntagsblick» hatte in seiner letzten Ausgabe über den Konflikt berichtet. Weil der US-Konzern die NFC-Technologie nicht freigebe, zwinge er die Anbieter von Schweizer Handy-Bezahllösungen, auf umständliche Technologien wie QR-Code oder Bluetooth auszuweichen.

Konkret gemeint sind die grossen Schweizer Unternehmen, die hinter Twint und Paymit stehen, allen voran die Finanzdienstleisterin SIX, aber auch Post Finance, Swisscomund diverse Banken.

Die beiden Bezahl-Apps fürs Smartphone sollen laut Ankündigung im Herbst zusammengelegt werden. Der Schritt erfolgt, weil die Schweizer Unternehmen mit vereinten Kräften gegen Apple antreten wollen. 

In Zukunft dürften auch andere internationale Konzerne wieGoogle und Samsung mit ihren Bezahldiensten auf den Markt drängen.

Wie praktisch?

Auch wenn Apple die ins iPhone integrierte NFC-Technlogie für Dritte öffnen muss, heisst dies nicht, dass die Bezahldienste dadurch gleich benutzerfreundlich werden. Bei Apple Pay genügt es, zweimal auf den Home-Button zu drücken und das Gerät in die Nähe des Kassen-Terminals zu halten, um bargeldlos zu bezahlen. Bei anderen Bezahl-Apps dürfte weiterhin erforderlich sein, das iPhone zuerst zu entsperren und die App zu starten, um eine Transaktion zu bestätigen.

Sprich: Wegen der tiefen Integration ins System (Hardware und Software) wird Apple Pay bezüglich Benutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit bei Transaktionen in jedem Fall im Vorteil bleiben. (dsc)