Madrid

Schweizer Klimastreikerin erzählt, was am Klimagipfel wirklich läuft

Spätes Znacht am Klimagipfel in Madrid: Schweizer Klimastreikende Jonas Kampus und Lena Bühler (3. von links)

Spätes Znacht am Klimagipfel in Madrid: Schweizer Klimastreikende Jonas Kampus und Lena Bühler (3. von links)

20'000 Teilnehmer versuchen derzeit am Klimagipfel in Spanien die Welt vor dem Klima-Kollaps zu retten. Darunter sind auch vier Schweizer Klimastreikende. Die 16-jährige Bernerin Lena Bühler erzählt, ob der Sitzungsmarathon in der Nacht ausartet und was Öl-Lobbyisten am Gipfel machen.

Statt im Gymnasium Hofwil zu pauken, weilt die 16-jährige Lena Bühler als Vertreterin der Schweiz Klimajugend seit Anfang Woche am Weltklimagipfel COP25 in Madrid.

Lena Bühler wird beim Cupfinal 2019 vom Feld geführt.

Lena Bühler wird beim Cupfinal 2019 vom Feld geführt.

Die aufmüpfige Bernerin schreckt vor risikoreichen Aktionen nicht zurück. So stürmte sie vergangen Mai während des Fussball-Cupfinals mit Transparenten auf den Wankdorf-Rasen und wurde danach von Sicherheitskräften abgeführt.

Party hard? Denkste

Als watson mit der Gymnasiastin in Madrid telefoniert, ist weniger von zivilem Ungehorsam, als von anstrengender Arbeit zu hören. Von früh bis spät besucht Lena Sitzungen und Arbeitsgruppen der internationalen «Fridays for Future»-Klimastreik-Bewegung. Ob aus Argentinien oder den Cayman-Inseln: Erstmals sind rund 50 Klimastreiker aus der ganzen Welt an einem Ort vereint. «Es ist unglaublich toll, unsere Erfahrungen nicht nur per Chat oder Videocall auszutauschen», sagt Lena.

50 Klimastreiker aus der ganzen Welt treffen sich in Madrid erstmals. Mittendrin ist Lena Bühler (schwarzer Pulli, Mitte).

50 Klimastreiker aus der ganzen Welt treffen sich in Madrid erstmals. Mittendrin ist Lena Bühler (schwarzer Pulli, Mitte).

Wer glaubt, dass sich die Teenager nach getaner Arbeit in das madrilenische Nachtleben stürzen, der täuscht sich: «Wir sind eher seriös. Nach dem Sitzungsmarathon gehen wir zusammen essen und dann früh ins Bett», erklärt die Bernerin.

Zu siebt in einem Schlafzimmer

Es gilt, die Kräfte einzuteilen. Denn Lena bleibt ganze zwei Wochen in Madrid. Sie wohnt zusammen mit anderen Klimastreikenden in einem kleinen Apartment. «Wir teilen uns zu siebt ein Zimmer. Jeden Tag kommen neue Leute». Angereist sind die Schweizer Klimastreiker natürlich nicht per Flugzeug, sondern in einer 26-stündigen Fahrt mit dem Flixbus.

Inzwischen ist auch Klimastreik-Ikone Greta Thunberg nach ihrer Atlantik-Überquerung per Katamaran in Madrid eingetroffen. «Sie kommt heute an unsere Sitzungen. Am Freitag gehen wir zusammen an die grosse Klima-Demo», führt Lena aus.

Druck auf Schweizer Diplomaten

Die Klimastreik-Bewegung hat am COP25-Gipfel einen Beobachterstatus. Die wirklich wichtigen Entscheidungen fällen 20'000 Diplomaten aus aller Welt. Die «Fridays for Future»-Bewegung versucht dabei, denn Politikern so fest wie möglich auf die Finger zu klopfen und Einfluss zu nehmen. «Wir haben bereits mit der offiziellen Schweizer Delegation gesprochen», sagt Lena.

Die Schweizer Delegation der Klimastreiker in Madrid.

Die Schweizer Delegation der Klimastreiker in Madrid.

Ihr Ziel: Die Schweiz solle so ambitionierte Klimaziele wie möglich in die Verhandlungen einbringen. «Industrieländer wie wir müssen endlich Verantwortung beim Klimaschutz übernehmen und den grossen Worten Taten folgen lassen», fordert die Bernerin. Es gehe um sehr viel: «Die Zukunft aller Schüler hängt davon ab».

Es sei aber zu befürchten, dass am Schluss ausser vielen schönen Worten der Politiker nicht viel übrig bleibe. Darum ist für Lena klar: «Es braucht auch 2020 weiterhin enormen Druck der Zivilbevölkerung, um die Politik zum Handeln zu zwingen.»

Der Aufreger

Neben den Delegierten aus rund 200 Staaten haben sich in Madrid auch unzählige Lobbyisten versammelt. «Es hat besonders viele Vertreter von Öl-Firmen, die Werbung für ihre angeblich umweltfreundlichen Unternehmen machen. Dieses ‹Greenwashing› stört mich total», so Lena.

Und was läuft mit dem Gymi?

Um das Klima zu retten, scheut Lena keinen Aufwand. Sie hat sich für zwei Wochen vom Gymnasium dispensieren lassen. «Ich muss den Stoff nun nebenbei selbst büffeln und die Zeit gut einteilen. Irgendwie geht es immer.»

Und was sagen eigentlich ihre Eltern dazu, dass Lena einfach mal zwei Wochen nach Madrid verschwindet? «Zuerst waren sie besorgt wegen den Gymi-Absenzen. Aber ich habe dieses Jahr schon mehrmals gezeigt, dass ich Klimastreik und Ausbildung unter einen Hut bringe.»

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