Sie tragen den unverdächtigen Namen «Zeitgeschichte», zeichnen aber ein sehr fragwürdiges Bild der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. In Rubriken wie «an den Fronten» oder «Heimatfront» wird die Waffen-SS positiv dargestellt.

Der Versailler Frieden wird im Heft konsequent als «Versailler Diktat» bezeichnet und die Bombardements der Alliierten werden «Bomben-Terror» genannt. Kriegsverbrechen sind zwar auch Thema. Allerdings nur auf der Seiten der Nazi-Gegner. Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen nun, dass die Hefte auf den bekannten deutschen rechtsextremen Verleger Dietmar Munier zurückgehen.

Die Valora AG, welche die Hefte in ihren «Press & Books»-Läden verkauft, schreibt auf Anfrage, sie wolle ihren Kunden «ein möglichst grosses Angebot an Publikationen» anbieten und zensiere nicht. Sie schiebt die Verantwortung an die Vertriebsgesellschaft «7 Days Media» ab. Diese ging letztes Jahr durch Verkauf aus der Valora-eigenen Vertriebsgesellschaft hervor.

«7 Days Media»-Geschäftsführerin Nicole Mrotzek gibt den Ball weiter an die Verlage. «Wir sind grundsätzlich nicht befugt, eine Zensur vorzunehmen», sagte sie der «Schweiz am Sonntag». Jeder Verlag kann über «7 Days Media» Hefte an die Valora-Kioske bringen, sofern der Inhalt legal ist. Rechtlich ist am Heft «Zeitgeschichte» nichts zu beanstanden. Explizite Holocaust-Leugnung oder Ähnliches findet nicht statt.

Ein Leitfaden von «7 Days Media» weist Verleger aber auch auf «ethische Bestimmungen» hin. Genauer definiert sind diese Kriterien hingegen nicht. Für Muniers SS-Hefte waren sie kein Hindernis. Sie stehen jeweils im halben Dutzend im Regal von grösseren «Press & Books»-Läden. Valora könnte das Heft selbst aus dem Sortiment nehmen, bestätigt Mrotzek gegenüber der «Schweiz am Sonntag».