Die Datenschutzprobleme bei Internet-Unternehmen weiten sich aus. Nach Facebook und Google droht jetzt auch Apple Ärger. Am 23. Dezember wurde in San José (Kalifornien) eine Klage gegen den Computer-Giganten eingereicht. Der Vorwurf: Apple soll private Daten von Nutzern gesammelt und den Produzenten von iPhone-Applikationen (Apps) erlaubt haben, diese weiterzuverkaufen. Betroffen sind unter anderem die Entwickler Pandora, Dictionary.com und Talking Tom Cat (siehe Bild). Besonders brisant: Die Nutzer haben keine Möglichkeit, die Weitergabe manuell zu stoppen. Jetzt suchen US-Anwälte weitere Opfer, um den Fall zu einer Sammelklage auszuweiten.

Der Klage ging ein Bericht des «Wall Street Journals» voraus, in dem 101 Apps auf die Weitergabe von persönlichen Daten geprüft wurden. Das Resultat war vernichtend. 47 davon übertrugen den aktuellen Standort des iPhone-Besitzers an Drittpersonen. 5 sendeten sogar Alter, Geschlecht und weitere persönliche Daten weiter.

Nutzungsrecht vertraglich geregelt

Der Fall wird auch in der Schweiz mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt: «Diese Klage in Kalifornien hat sicherlich Signalwirkung. Sollte Apple verlieren, dann muss das Unternehmen auch in der Schweiz transparenter werden», sagt Kosmas Tsiraktsopoulos, Abteilungsleiter beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Doch eine Klage, wie sie in Kalifornien lanciert wurde, hätte in der Schweiz keine Chance: «Apple deklariert in den allgemeinen Geschäftsbedingungen klar, dass persönliche Daten weiterverwendet werden können», sagt Tsiraktsopoulos.

Trotzdem: Auch in der Schweiz regt sich Widerstand gegen die Praktiken des Konzerns. «Was Apple macht, ist ein grosses Problem. Auch in der Schweiz», sagt Denis Simonet, Präsident der Piratenpartei, die sich für einen verbesserten Datenschutz starkmacht. Simonet fordert, dass Internet-Unternehmen freiwillig Transparenz schaffen und aufzeigen, was mit Kundendaten passiert. Dem pflichtet auch Datenschutz-Experte Tsiraktsopoulos bei: «Schweizer Unternehmen müssen ihren Umgang mit persönlichen Daten offenlegen. Darauf legen wir grossen Wert.»

Datenverkauf als Businessmodell

Eine Umfrage der az bei Schweizer App-Anbietern wie Swisscom (u.a. Swisscom Appvisor), Tamedia (20min und newsnetz) und Postfinance zeigt: Auch Schweizer Unternehmen nutzen die Daten ihrer App-Nutzer. Allerdings nur intern zur Auswertung von Nutzungsdaten. Und sie verpflichten die Entwickler der Apps, Datenschutzbestimmungen einzuhalten. Doch die Gefahr von Datenverkauf bleibt, vor allem bei Apps, die nicht von Grossunternehmen in Auftrag gegeben wurden. «Die Nutzer müssen wissen: Bei Gratisprodukten bezahlen sie mit ihren persönlichen Daten», sagt Tsiraktsopoulos.