Der Ständerat wird nächsten Mittwoch über die Standes-Initiative des Kantons Aargau über ein nationales Verhüllungsverbot entscheiden.

Im Vorfeld dieser Debatte kämpft der Schweizer Hoteldachverband «Hotelleriesuisse» an vorderster Front gegen diesen politischen Vorstoss. «Werte wie Weltoffenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen zeichnen die Schweiz als Gastland aus und sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gastfreundschaft», sagt «Hotelleriesuisse»-Sprecherin Susanne Daxelhoffer. Und: «Das Verbot hätte eine abschreckende Wirkung auf das betroffene Tourismussegment und würde die Attraktivität der Schweiz als Reisedestination mindern».

Interlaken: Arbeitsplätze in Gefahr

Unterstützung im Kampf gegen ein nationales Burka-Verbot erhält der Hoteldachverband von Interlaken Tourismus. «Es ist so, dass in und um Interlaken drei Viertel der Bevölkerung vom Tourismus abhängig sind», sagt Interlaken-Sprecherin Patrizia Pulver. Deshalb fürchte sich die Region vor einem Verbot.

Dieses Jahr würden die Touristen aus den Golfstaaten die Ferien im Juni oder September in Interlaken verbringen. «Gerade in diesen Monaten bedeuten diese Gäste eine willkommene Wertschöpfung für zahlreiche Hotelbetriebe. Dies würde bei einem Erlass eines Verhüllungsverbots wahrscheinlich wegfallen. Das hätte mit einer gewissen Verzögerung eine sukzessive Reduktion von Arbeitsplätzen zur Folge», warnt Pulver.

In der Tat tragen die Touristen aus dem arabischen Raum massgeblich zur Wertschöpfung des Schweizer Tourismus bei. Nichtsdestotrotz steht die Branche in dieser politischen Frage vor einem Glaubwürdigkeitsproblem. Der Grund: Bereits im Vorfeld der Ausschaffungs- und Minarett-Initiative fürchtete sich die Hotel-Industrie bei Annahme der Initiativen vor negativen Folgen für den Tourismus. Bewahrheitet hat sich diese Angst nicht.

Bleiben reiche Muslime zuhause?

2010 stieg laut «Hotelleriesuisse» die Zahl der Logiernächte aus den Golfstaaten um 13 Prozent. Noch besser erging es Interlaken. So erhöhten sich die Übernachtungen bei Personen aus dieser Region im Berner Oberland um 42 Prozent. Dennoch sind sich «Hotelleriesuisse» und Interlaken sicher: Würde es zum Verhüllungsverbot kommen, wäre dies eine Häufung von Verboten, die negative Signale in die arabische Länder aussenden. Ein Rückgang von arabischen Gästen in der Schweiz würde dann auf Dauer mit Sicherheit spürbar.

Bereits heute würden Hotels in Interlaken Anrufe von beunruhigten Gästen aus der Golfregion erhalten. Diese würden sich nach einem Burka-Verbot erkundigen. «Bei einem Verbot müssen wir damit rechnen, dass sie den Aufenthalt absagen. Solche Absagen hätten eine Kettenreaktion zur Folge und würden noch weitere Gäste aus dem arabischen Raum von Reisen in die Schweiz abhalten.»

SVP-Ständerat will Verhüllungsverbot

Derweil nehmen die angefragten Ständeräte die Besorgnis der Tourismusregion zur Kenntnis. Für den Aargauer SVP-Ständerat Maximilian Reimann handelt es sich dabei aber um Panikmache: «Je kenntlicher die Gesichter im Volke sind, umso sicherer darf sich auch der Gast aus dem Ausland fühlen. Und sollte ein ideologisierter Ausländer nur in die Schweiz kommen, wenn seine Begleiterinnen die Burka tragen dürfen, dann kann er von mir aus ein anderes Gastland suchen. Wir Schweizer passen uns kleidermässig im Ausland auch den dortigen Sitten und Gebräuchen an.»

Auch FDP-Ständerat Rolf Büttiker stellt den Reputationsschaden bei einem allfälligen Burka-Verbot in Frage. «Ein solches Verbot hätte für den Tourismus keine negativen Folgen, weil die Quantität von Totalverschleierungen doch relativ unbedeutend ist.» Trotzdem wird Büttiker gegen ein nationales Verhüllungsverbot stimmen.

Burka-Trägerinnen Arbeitslosengeld streichen

Hingegen will der FDP-Politiker die Integrationsvorschriften verschärfen. «Eine Frau, die einen Ganzkörperschleier trägt, soll nicht eingebürgert werden - ebenso wenig deren Ehemann.» Weiter sollen bereits bei der Erteilung der B-Bewilligung die Familienverhältnisse berücksichtigt werden. «Dass Ehefrau und Töchter keinen Ganzkörperschleier tragen dürfen, soll Bestandteil der Integrationsvereinbarung werden», sagt Büttiker.

Ausserdem betrachtet Büttiker Frauen mit Burka als «nicht vermittelbar» und will diesen deshalb die Arbeitslosenunterstützung entziehen. Weiter will der FDP-Ständerat den muslimischen Frauen künftig die Sonderbehandlung in Spitälern verwehren. Derzeit können diese bei der Untersuchung auf einem weiblichen Arzt bestehen.