Erdbeben
Schweizer Hilfe in Japan eingetroffen

In Japan sind laut Eidgenössischem Departement des Äusseren (EDA) 1890 Schweizerinnen und Schweizer gemeldet. Dazu kommt eine unbekannte Zahl Touristen. Mehr als zwei Drittel der registrierten Schweizer konnten inzwischen kontaktiert werden.

Roman Schenkel
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Das 25-köpfige Rettungsteam und die neun Suchhunde trafen gestern Mittag in Tokio ein. Keystone

Das 25-köpfige Rettungsteam und die neun Suchhunde trafen gestern Mittag in Tokio ein. Keystone

Von einem Drittel fehlt jedoch noch jede Spur. Die Kontaktaufnahme sei aufgrund der beschädigten oder zerstörten Infrastruktur sehr schwierig. «Bislang haben wir aber keine Informationen über Opfer unter den Schweizer Bürgern», so EDA-Sprecher Georg Farago.

Wegen der unsicheren Lage hat das EDA am Wochenende die Reisehinweise für Japan geändert. Das EDA rät von allen Reisen in den Nordosten Japans sowie in die Präfekturen Nagano und Niigata ab. Von Touristen- und nicht dringenden Reisen ins übrige Japan sollte man absehen.

100 Anrufe auf Hotline

Das EDA hat eine Hotline für Fragen eingerichtet. «Bis jetzt gab es ungefähr 100 Anrufe», sagte der EDA-Sprecher. Hinzu kämen 39 Personen-Suchaufträge, die alle positiv beantwortet werden konnten.

Wer sich im Krisengebiet und im Grossraum Tokio aufhalte, solle zudem die Notwendigkeit seiner Anwesenheit prüfen und sich überlegen, Japan für einige Zeit zu verlassen. Dies gelte insbesondere für Familien mit kleinen Kindern. «Bei der Ausreise muss mit Verzögerungen gerechnet werden», so Farago. Im Flugverkehr sei mit Unregelmässigkeiten zu rechnen.

Die Verzögerungen kommen daher, dass viele Flüge nach Japan gestrichen wurden. Auch die Fluggesellschaft Swiss hat den gestrigen Flug von Zürich nach Tokio annulliert. Wegen der Unsicherheit und der unklaren Ausgangslage ist die Maschine nicht gestartet, sagte eine Swiss-Sprecherin der az. Schon heute will die Swiss die Flüge nach Japan wieder aufnehmen. Allerdings mit einem Zwischenstopp in Hongkong.

Anders die Lufthansa: Die Muttergesellschaft der Swiss führte auch gestern zwei Flüge nach Tokio und einen Flug nach Osaka durch. Zudem kehrten gestern Sonntag vier Flüge von Japan nach Deutschland zurück. «Die Flüge waren richtig voll», sagte ein Sprecher von Lufthansa. Auch heute werden die Maschinen der Lufthansa nach Japan fliegen. Trotz der Krise in Japan zeige sich keine Veränderung im Buchungsverhalten: «Es gibt zurzeit nicht mehr Annullierungen bei Japan-Flügen als normal», so der Sprecher.

«Wenig Chancen auf Überlebende»

Zwei Tage nach der Erdbeben-Katastrophe trifft immer mehr internationale Hilfe in Japan ein. An Bord der Samstag-Swiss-Maschine, die nach Tokio abhob, landete gestern Abend (Ortszeit) auch ein Schweizer Rettungsteam in Tokio. Per Bus wurden die 25 Helfer und die 9 Suchhunde ins Einsatzgebiet 300 Kilometer westlich von Tokio gefahren, wo sie gestern Abend spät eintrafen. In dieser Region werden über 10000 Menschen vermisst.

Die Chance für das Schweizer Team, Überlebende zu finden, sei jedoch gering, sagte Toni Frisch, Chef des Korps für humanitäre Hilfe, gegenüber Radio DRS. Die Hauptaufgabe des Schweizer Teams werde es sein, verschüttete Menschen ausfindig zu machen. Zwar könnten unverletzte Menschen mehrere Tage in eingestürzten Gebäuden überleben, wenn sie sich in Hohlräumen befänden. In jenen Trümmern, wo wegen des Tsunamis Wasser eindrang, sei die Chance zu überleben jedoch sehr klein, so Frisch.