Verhütung
Schweizer Frauen wurden trotz Verhütungsstäbchen schwanger

In Grossbritannien wurden in den letzten Jahren rund 600 Frauen ungewollt schwanger - obwohl sie mit Implanon verhütet haben. Wie Recherchen zeigen, hat das Verhütungsstäbchen auch bei Schweizer Frauen schon öfters versagt.

Jessica Pfister
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Keystone

Es klingt ganz leicht: Statt einer Pille zu schlucken oder dem Mann ein Kondom überzuziehen, lässt sich die Frau vom Arzt ein vier Zentimeter langes, dünnes Kunststoffstäbchen unter die Haut des Oberarmes setzen. Von dort gibt es regelmässig über drei Jahre eine niedrige Konzentration an Gelbkörperhormon in den Körper ab. Das heisst: Frauen müssen während dreier Jahre nicht mehr an die Verhütung denken.

Implanon - so sieht es aus

Implanon - so sieht es aus

Zur Verfügung gestellt

6700 Verhütungsstäbchen verkauft

Im letzten Jahr wurden gemäss Hersteller MSD in der Schweiz 6700 Implanonpackungen verkauft. Ein Implanon kostet 315 Franken, hinzu kommen die Kosten für das Einlegen. Zusammen beträgt der Preis circa 500 Fr. für eine Wirkungszeit von 3 Jahren. (jep)

Implanon unter der Haut

Implanon unter der Haut

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Die amerikanische Herstellerfirma Merck Sharp & Dohme-Chibret AG (MSD) preist das Implanon als sehr sicheres Verhütungsmittel an - und spricht von weniger als einer ungewollten Schwangerschaft pro Jahr (Pearl Index 0,1). Die neusten Schlagzeilen aus England lassen an dieser Zahl jedoch zweifeln. Rund 600 Frauen wurden in den vergangenen Jahren schwanger, obwohl sie sich das Implantat in die Armbeuge einpflanzen liessen (az berichtete).

Doch nicht nur in Grossbritannien, auch in der Schweiz wurden Frauen trotz Implanon ungewollt schwanger. Dies zeigen die neusten Zahlen der Medikamenten-Zulassungsstelle Swissmedic, die az vorliegen. Seit der Zulassung im Jahr 1999 wurden 32 unerwünschte Schwangerschaften gemeldet. Zudem sind 156 Meldungen unerwünschter Nebenwirkungen registiert.

Falsche Einpflanzung des Implantats

Stefan Wild, Pressesprecher von MSD Schweiz unterstreicht die Sicherheit des Verhütungsmittels, sagt aber auch: «Kein Verhütungsmittel gibt eine 100-prozentige Sicherheit.» Einen Grund für die ungewollte Schwangerschaft trotz Implanon sieht er bei einer falschen Einpflanzung des Implantats durch den Arzt.

Auch Mischa Schneider, Oberarzt der Frauenklinik am Kantonsspital Baden (KSB) betont, wie wichtig das richtige Einsetzen des Implanons ist: «Man sollte das Implantat auch drei Monate nach der Einlage überprüfen.» Am KSB verwende man das Verhütungsstäbchen aber sowieso eher selten. Der Grund: «Der eigentlich sicheren Anwendung über drei Jahre, stehen mehrere Nebenwirkungen gegenüber», so der Arzt.

So komme es häufig zu Blutungsstörungen und deshalb bei einem Viertel der Patientinnen zur Entfernung des Implantates. Später könne es sogar zum kompletten Ausbleiben der Menstruationsblutung kommen, was in einigen Kulturkreisen nicht erwünscht sei. «Ausserdem bilden sich zu Beginn der Therapie häufig Eierstockzysten oder die Frauen nehmen zu», sagt Schneider.

Ärzte finden das Stäbchen nicht mehr

Ebenfalls bedenklich: Immer wieder komme es zu Problemen bei der Entfernung des Implanons, oder noch schlimmer - die Ärzte finden es nicht mehr. Wie die deutsche Zeitschrift «Arznei-Telegramm» berichtet, bleiben die betroffenen Frauen zwei bis drei Jahre unfruchtbar, bis der Wirkstoff des Verhütungsstäbchens verbraucht ist.

Schneider dazu: «Wir empfehlen deshalb eher eine Spirale die für fünf Jahre Sicherheit gibt und weniger Nebenwirkungen aufweist oder den Nuvaring, der im Vergleich zur Pille weniger Anwendungsfehler aufweist.»

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