Atomdebatte

Schweizer Experten dürfen russische Atomaufbereitung doch besuchen

Fässer mit radioaktivem Abfall (Symbolbild)

Fässer mit radioaktivem Abfall (Symbolbild)

Nachdem der Stromkonzern Axpo seine Uran-Bezüge geändert hat, lenkt die russische Rosatom ein: Schweizer Experten erhalten nun doch Zugang zur umstrittenen Uran-Wiederaufbereitungsanlage Majak. Der Besuch soll in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres stattfinden.

Die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands, Rosatom genannt, habe einem Besuch von Schweizer Experten in der Anlage Majak zugestimmt, schreibt der Zürcher Regierungsrat in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss. Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest.

Die Expertengruppe wird aus Vertretern des Bundesamtes für Energie, der AKW-Betreiber und des Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorates ENSI zusammengesetzt sein.

Absage von russischer Seite

Bereits im Juni 2011 wollte eine Delegation aus Axpo-Vertretern - darunter der Zürcher Regierungsrat und Axpo-Verwaltungsrat Markus Kägi (SVP) - die Anlage besichtigen, erhielt aber keinen Zugang. Sehr kurzfristig wurde der Besuch von russischer Seite gestrichen, angeblich weil die Anlage in militärischem Sperrgebiet liegt. Die Axpo war laut Mitteilung "sehr verärgert" und zog die Konsequenzen.

Im November gab sie eine Vertragsänderung mit ihrem Hauptvertragspartner, dem französischen Areva-Konzern, bekannt: Areva durfte keine Brennstäbe mehr liefern, die Material aus Majak enthielten. Areva kauft das Uran nicht direkt, sondern von einer Anreicherungsanlage in Elektrostal, einem Vorort von Moskau. Diese Anlage wiederum bezieht es von Anlagen in ganz Russland. Die Axpo verwendet die Stäbe für das AKW Beznau.

Messprogramm ab Herbst

Die Uran-Wiederaufbereitungsanlage Majak liegt etwa 1500 Kilometer von Moskau entfernt. In ihrer Umgebung werden immer wieder erhöhte radioaktive Werte gemessen. Unklar ist, ob diese von der gegenwärtigen Uran-Wiederaufbereitung herrühren oder auf schwere Atom-Unfälle in der Vergangenheit zurückzuführen sind.

Um Transparenz zu schaffen, wird im Herbst ein Messprogramm lanciert, mit dem eine gemäss Zürcher Regierungsrat "unabhängige Abschätzung einer möglichen Umweltverschmutzung" durchgeführt werden kann. Das ein Jahr dauernde Programm wurde auf Anregung der Axpo und der Areva erarbeitet. Wer genau es durchführt, geht aus den Angaben der Zürcher Regierung nicht hervor.

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