Gaddafi
Schweizer Erdölvereinigung hat keine Angst vor Gaddafi

Gaddafi verhängt über der Schweiz den «totalen Wirtschaftsboykott». Rolf Hartl, Präsident der Schweizer Erdölvereinigung, hat davor keine Angst. Aserbaidschan und Kasachstan würden bereits darauf warten, die drohende Versörgungslücke für die Schweiz zu schliessen. Auch die ABB sieht der neuen Provokation gelassen entgegen.

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Rolf Hartl

Rolf Hartl

Keystone

Vasilije Mustur

Libyen droht der Schweiz mit einem «totalen Wirtschaftsembargo». Rolf Hartl, Präsident der Schweizer Erdölvereinigung lässt diese Ankündigung kalt. «Andere Länder sind jederzeit bereit, die entstandene Versorgungslücke zu schliessen», sagt der Experte gegenüber a-z.ch.

2008 führte die Schweiz 3,7 Millionen Tonnen Rohöl aus Libyen ein. Seit Ausbruch der diplomatischen Krise verringerte sich der Import des schwarzen Goldes im 2009 auf 1,3 Millionen Tonnen Rohöl. «Dieser Rückgang hatte jedoch keine Konsequenzen, weil Aserbeidschan und Kasachstan in die Versorgungslücke sprangen», sagt Hartl. Sollte Gaddafi seine Drohung wahr machen, würden diese Länder der Schweiz erneut unter die Arme greifen.

Die ABB will nach der neusten Provokation von Gaddaffi zum Schutz der inhaftierten Schweizer Geisel Max Göldi nicht weiter Öl ins Feuer giessen. «Dieser Wirtschaftsboykott würde ABB-Schweiz nicht betreffen. Seit der Geiselnahme 2008 haben sich keine weiteren Wirtschaftskontakte ergeben», sagt ABB-Sprecher Wolfram Eberbardt auf Anfrage.

Nichts desto Trotz muss die Schweizer Wirtschaft die Drohung aus Libyen ernst nehmen. 2009 exportierte die Schweiz laut Staatssekretariat für Wirtschaft Seco nur noch 156,2 Millionen Franken Güter nach Libyen. Zum Vergleich: 2008 waren es Güter für 283,3 Millionen Franken - darunter vor allem Maschinen.

Bereits 2008 kündigte der Gaddafi an, seine Staatsgelder aus der Schweiz abzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt lagen fünf Milliarden Franken auf Schweizer Banken.